FOOD KOLUMNE NR. 29 | ÜBERDOSIS

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Sehr komisch. Da sitze ich, der alte Fresser an meinem Mac und schreibe über das Abnehmen. Dies nach 50 Jahren Völlerei. Essen und Saufen war mein Motto. Umso mehr, umso besser. Umso besser, noch besser. Gegen Ende meiner Schlemmereien habe ich Menge gegen noch höhere Qualität getauscht. Einfach herrlich, wie im Schlaraffenland, im Kanton Paradies. Nun mal ehrlich. Kann jemand verstehen, dass ich seit einem halben Jahr für Personen koche, die abnehmen wollen. Da hat man doch den Bock zum Gärtner gemacht.

Niemals kamen mir Gedanken über leichtes Essen, Gesprächen über Diät hörte ich teilnahmslos, fast angewidert zu. Es hat mich einfach nie gekümmert, Essen hiess für mich Genuss und nur das zählte. Als ich mich bereit erklärte für unser Team zu kochen geschah dies spontan. Ich wollte helfen, dass es für mich auch gut sein könnte, dass ich meine Einstellung zur täglichen Nahrungsaufnahme verändern müsste, das wäre mir auch im Traum nie eingefallen. Um ehrlich zu sein, in den letzten Jahren hat sich meine Küche auch schon in die richtige Richtung verändert. Kaum noch Butter, selten meine geliebten Rahmsaucen, beides auf Druck meiner lieben Christina.

Mein Hauptfehler waren vor allem die Mengen die ich zubereitet habe, kombiniert mit gutem Wein. Dem perfekten Begleiter zu unserer Nahrung. Schon beim Mise en Place einen kleinen Apéro, danach eine gute Flasche zum Essen. Die Küchen-Waage kam nicht zum Einsatz. Die Mengen waren nach Gefühl und dieses liebt mich. Es gab nie zu wenig. Ein gehäufter Teller gegen den Hunger, ein zweiter aus Freude am Essen. Gespült wurde mit gutem Wein. Dies war der Weg der über die Jahre zu unseren runden Formen führte. Mit dem neuen Haushaltsgerät „Waage“ haben sich die Portionen der „bösen“ Nahrungsmittel fast halbiert und helfen den Gürtel wieder enger zu schnallen. Den Wein unter der Woche wegzulassen war auch nicht so schwierig. Was geblieben ist, ist die Freude an gutem Essen und am Kochen. Dank dessen fällt es mir ziemlich leicht mit dem Weight-Watchers-System zu leben. Ich fühle mich tatsächlich fast immer satt, mein Magen hat sich an die neuen Portionen gewöhnt. Einzig die Mengen an Früchten, Gemüsen und Salaten die ich vertilgen muss machen mir Sorgen. Ich möchte nicht dass auf meinem Grabstein „Tod durch Überdosis von Vitaminen“ geschrieben wird.

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