FOOD KOLUMNE NR. 30 | Tischsitten

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Kaum ein Kind in unserem Bekanntenkreis das nicht mindestens einmal bei Mc Donald’s Geburtstag feiern  durfte. Die Kinder lieben diesen Ort, für die Eltern ist er mit Kosten verbunden aber dafür unglaublich bequem. Mc hat ein wunderbares Konzept konstruiert um die lieben Kleinen glücklich zu machen. Sie dürfen mit den Händen essen, bekommen Futter das sie lieben und Tischmanieren sind nicht wirklich gefragt. Die Burger und Fritten sind mit süssem Ketchup überladen und das Ganze wird meist mit einem halben Liter Cola gespült. Serviert wird auf einem Tablett in Styroporbehältern, Papiersäcken und Karton. Besteck ist tabu und die Tabletts sehen nach der Nahrungsaufnahme wie Abfalleimer aus. Es ist perfekt. Es ist fast alles dabei was Kinder lieben, aber auch alles in punkto Tischmanieren inklusive – das sie nie lernen sollten.

Irgend etwas läuft doch falsch. Dass Erziehung heute lockerer von sich geht als in meiner Jugend ist gut. Mit Sprechverbot am Tisch zu sitzen, mit eingeklemmten Büchern zwischen Ellbogen und Körper essen zu lernen, sind veraltete Zöpfe. Doch ein bisschen Esskultur, das verwenden von Geschirr, Besteck und Gläsern gehört meines Erachtens immer noch zur täglichen Routine. Ein schön gedeckter Tisch ist als Begleitung zu gutem Essen das Tüpfchen auf dem “i”. Doch diese, einem alten Clown wie mir noch immer wichtigen Werte, wurden grosszügig abgeschafft. Das Krönchen zu den Erfahrungen bei den Fastfood-Läden ist das Handy. Da schaut ein jeder tagtäglich stundenlang in sein elektronisches Spielzeug, kichert vor sich hin und hat zwischendurch das Bedürfnis den anderen etwas unglaublich wichtiges zu zeigen. Tischgespräche sind out, die Verblödung hat gewonnen.

Das Lesen in Zeitungen und Büchern ist ebenfalls out. Wo früher ein Journalist für eine Zeitungsseite mit grossem Aufwand recherchiert hat, wird handygerecht das Thema mit einem fetzigen Titel und drei bis vier blablabla Sätzen abgehandelt. Entsprechend sind auch die Tischgespräche oft ziemlich einfach und nicht mehr fundiert. Doch eigentlich wollte ich nicht über heutige Kommunikation schimpfen. Mir geht es um Tischsitten und Tischfreuden, fürs Auge und für den Geist. Irgendwie ist in den letzten Jahrzehnten vieles verloren gegangen. Die Erziehung wird nicht mehr durch die Familie, die Eltern und Grosseltern vermittelt. Die Krippe, der Hort und die Schule sind vermeintlichen Lückenbüsser. Doch leider funktioniert das so nicht, kann nicht funktionieren. Familie, Tradition und Manieren müssen auch heute noch zu Hause vermittelt werden. TV und Handy gehören nicht an den Tisch. Die Überlieferung von Sitten, Gebräuchen und Kultur am Esstisch brauchen eine Auferstehung.

2 Kommentare

  1. Du sprichst mir hier absolut aus dem Herzen. Man sollte sich vor allem wieder Zeit zum Essen nehmen und sich nicht nebenher einfach Nahrung einschaufeln. Dann schmeckt man auch ganz anders und weiß Nahrung zu schätzen!

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