FOOD KOLUMNE NR. 31 | Nachfolger

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Vor Jahren war Wein noch ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben. Mittags und abends gab es bei mir  zu jedem Essen, oft auch zu jedem Gang einen anderen Tropfen. Es war mein Hobby, meine Passion. Kaum eine interessante Degustation die ich verpasste und da ich gut gelagerte Weine liebe, besuchte ich auch viele Weinauktionen. Im Keller stapelten sich die Kisten der Lagerweine, die Wände waren mit gereiften Flaschen gefüllt. Es war eine Freude den passenden Wein zu einem Gericht aus dem Keller zu hohlen, ein Genuss diesen aus den Riedel-Gläsern zu trinken. Neue Jahrgänge habe ich mit Ungeduld erwartet, um diese zu testen und allenfalls sofort erste Kisten zu reservieren. Speziell die Weine aus Frankreich, aber auch die guten deutschen Weine von der Mosel bis nach Baden hatten es mir angetan. Ob ein Gericht süss oder salzig, pfeffrig oder sauer war, der passende Rebensaft war perfekt gelagert im Hause.

Im Freundeskreis waren weitere Ess- und Weinverückte angesammelt. Gemeinsam wurden mehrgängige Dinners geplant und gestritten wer den dazu passenden Wein mitbringen durfte. Es war ein fröhlicher Wettsstreit nach dem Besten, wobei die Lagen, die Jahrgänge und der Geschmack berücksichtigt wurden. Konnten wir uns bei der Wahl des Weines nicht einigen, haben wir zum gleichen Gang mehrere verschiedene Weine kredenzt und miteinander verglichen. Ein Wettstreit der oft am nächsten Tag zu schweren Köpfen führte. Das gemeinsame einkaufen, kochen und zusammen sein war Lebensqualität pur. Manchmal begann das mise en place am Morgen um elf, der erste Gang kam um zwei Uhr Nachmittags, der letzte gegen Mitternacht auf den Tisch. Dazwischen wurde abgewaschen, weitergekocht, weitergetrunken, diskutiert, gelacht und gelebt. Doch irgendwann hatten wir die grossen Weine dieser Welt getestet, einige bekamen Kinder, andere neue Partner und – wir wurden älter. So hat sich dies alles verändert, wir essen weniger und trinken viel weniger. Die Tischrunden wurden kleiner und oft entschuldigen Gäste ihre Abstinenz mit dem Autofahren. Wir leben gesünder doch auch der Spassfaktor wurde kleiner. Manchmal frage ich mich wie das wohl enden wird. Einige der Freunde sind schon über siebzig, einige schon nicht mehr unter uns. Doch langsam sind unsere „Kinder“ Erwachsene von denen erste an unseren altmodischen Völlereien auch Freude finden. Vielleicht findet unsere Lebensart doch noch Nachfolger.

2 Kommentare

  1. Ja doch, bei mir zum Beispiel! In meiner Familie läuft es auch so ab, und es ist ein Genuss! ..aber es ist schon richtig, man muss schon sehr aufpassen, dass man nicht gewichtmäßig völlig aus dem Rahmen fällt.

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