FOOD KOLUMNE NR. 32 | Tischgespräche

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Seit wir auf unser Gewicht achten, ist es schwieriger geworden für Gäste zu kochen. Menschen die ich zu uns nach Hause einlade, will ich verwöhnen. Mehrere Gänge auf den Tisch bringen und die passenden Getränke dazu. Doch seit einigen Monaten sitzt ein Kontrollfreak in meinem Hirn und verhindert viele meiner schönen Pläne. Das hört sich in etwa folgendermassen an: “Weniger Gänge Bernhard” oder “Nicht schon wieder Rahm”, auch “Keine Würste, du weißt die sind zu Fett” manchmal ”Hast du die Punkte gezählt”? Bei Ideen für schöne Apéros mit frisch gemachten Salzmandeln, Blätterteiggebäcken, herrlichem Salami und ähnlichen Leckereien tobt er in meinem Hirn schreiend umher und versucht mich vom planen abzuhalten. Noch extremer wirds bei Gedanken an süsse Nachspeisen, ich wage nicht darüber zu schreiben.

Das schwierigste ist ein Menü zusammenzustellen, das den Ansprüchen des Kontrollfreaks genügt und gleichzeitig auch mir beim einkaufen, kochen und auftischen Freude macht. Mindestens drei Gänge müssen einfach auf den Tisch. Vom Salat über eine Vorspeise zum Hauptgang, dieser Ablauf ist für mich das Minimum und eine Selbstverständlichkeit. Danach ein Stücklein Käse mit etwas Sauterne oder einer TBA (Trockenbeerenauslese). Dafür verzichten auf ein Dessert? Ich muss neue Esskonzepte erstellen, damit es unter den jetzigen Umständen möglich wird. Diese Woche habe ich begonnen einige Menüideen auf Papier zu bringen. Sabrina werde ich bitten mir die Weight-Watchers-Punkte davon auszurechnen. Geplant habe ich etwa 22 Punkte mit einem Glas Wein pro Gang zu erreichen. Bin gespannt ob das hinkommt.

Wir haben uns vorgenommen Gäste nur noch an Wochenenden aufwändig zu bewirten. Ein kleiner Trick ist der Verzicht auf unser Mittagessen, oder ein sehr kalorienarmes Gericht das vorallem aus Gemüse oder Früchten besteht. Zum Beispiel Gemüsesuppe, Salat oder ein Bichermüesli. Damit bleiben für den Abend genügend Punkte frei und das Gewissen wird nicht beunruhigt. Einen weiteren Trick hat Christina per Zufall gefunden. Mit Enkelin Carlotta hat sie niedliche und wunderbare Mini-Cupcakes gebacken. Zwei pro Person gibt es neuerdings für Besucher als Nachspeise zum Kaffee. Alle sind begeistert, pro Stück sind es nur 2,5 PP. Abnehmen besteht aus vielen Kleinigkeiten die es zu entdecken gilt. Lösungen lassen sich finden, sobald ein Problem erkannt ist. Jeder muss selbst entscheiden wo er die Prioritäten setzt.

Interessanterweise zeigen viele unserer Freunde an unserer neuen Essweise Interesse. Vor allem die weiblichen Gäste wollen mehr darüber wissen, die Männer reagieren sehr verschieden. Tatsache ist, dass kaum einer unserer Besucher ein Idealgewicht hat. Einerseits ist dies altersbedingt. Unsere Freunde sind meist 50+. Andererseits ist es einfach unsere Wohlstandsgesellschaft die eher Bäuche als Muskeln produziert. Anstelle der früheren Diskussionen über Weine, Restaurants und wunderbare Nachspeisen wird jetzt über gesundes Kochen und Bewegung geschwatzt. Die Gespräche drehen sich weiterhin um das Essen. Das Thema ist geblieben, nur der Inhalt hat sich verändert.

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