FOOD KOLUMNE NR. 33 | Respekt

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Für Hausfrauen und Hausmänner ist kochen eine Pflicht. Für Hobbyköche hingegen eine Kür. Die einen müssen kochen, die anderen dürfen. Eltern erledigen das kochen neben putzen, einkaufen, Job, waschen, bügeln und Kinderbeaufsichtigen. Das Essen muss zu bestimmten Zeiten auf dem Tisch stehen, denn andernfalls werden Kinder quengelig. Hobbyköche hingegen haben alle Zeit der Welt um zu planen, neues auszuprobieren und mit ihren Kreationen zu brillieren. Wir reden über das kochen, es ist in beiden Fällen das gleiche und doch nicht dasselbe.

Die Nahrungsmittelindustrie hat dies natürlich erkannt und erfindet täglich neue Fertigprodukte mit denen Eltern geholfen werden kann. Ob Produkte wie Orangensaft und Nutella zum Frühstück, Milchschnitte zur Pause, Hamburger oder Fischstäbchen zum Mittagessen und eine tiefgefrorene Pizza als Nachtessen, für alles gibt es mehrere Anbieter und jeder davon erklärt, warum er das beste Produkt herstellt. Die Werbeblöcke am Fernsehen sind gefüllt mit Angeboten dieser wunderbaren Nahrungsmitteln. Man fragt sich höchstens ob die Pizza von Nestlé (Buitoni) oder die von Dr. Oetker die bessere ist. Am besten beide probieren, dann kann nichts schief gehen. Doch wer will das schon. Die Produkte sind teuer, aber leider manchmal notwendige Übel. Vor allem wenn beide Elternteile arbeiten.

Beim Vergleich mit Eltern und Hobbyköchen bin ich irgendetwas in der Mitte. Mein Zeitaufwand für unsere Essen liegt so zwischen 30 und 60 Minuten. Dazu kommt noch die Einkaufszeit und das anschliessende aufräumen. Alles in allem sind dies gut und gerne 1 1/2 bis 2 Stunden Arbeit die sich unter vier Personen aufteilen. Es ist jedoch zu erwähnen, dass wir keine Abwaschmaschine haben. Beim Einkaufen wechseln wir uns ab, beim kochen sind Sabrina und ich an der Reihe. Den Abwasch besorgt meist Letizia, ab und an auch Christina. Trotz der Hilfe die ich von allen Seiten erhalte, ist es doch ein rechtes Stück Arbeit täglich ein gesundes Essen aus (meist) frischen Produkten neben dem arbeiten auf denTisch zu bringen. Der Druck ist um vieles grösser, als das Bewirten von Freunden am Wochenende. Für die Gäste zu Hause mache ich viel mehr Aufwand, habe jedoch um vieles mehr Zeit. Es ist dann eben Hobby und nicht tägliche Pflicht.

Ich erlebe also beide Seiten des Kochens. Die Kür und die Pflicht. Bei der Pflicht bekomme ich Hilfe, Eltern bekommen – wenn die Kinder Hunger haben – kleine “Monster” die ihnen keine Ruhe lassen. Unter solchen Umständen zu kochen ist eine grosse Leistung. Zusätzlich ist es wichtig Rezepte zu verwenden die alle Kinder mögen. Ein Problem das ich auch bei meinen Kostgängern antreffe. Dies ist oftmals nicht einfach und immer wieder eine Herausforderung. Im Endeffekt ist das Kochen für mich doch um ein vieles angenehmer als für Eltern. Wenn ich, was selten vorkommt, kein Bock zum kochen habe, kommen mir immer Mütter in den Sinn, worauf es mir umgehend wieder gut geht. Was ich jetzt seit 7 Monaten täglich erledige, machen Mütter mindestens für 15 Jahre! Eine Leistung die unverständlicherweise als selbstverständlich angesehen wird. Es gebührt ihnen täglich ein grosses DANKE. Wenn sie es fertig bringen, neben den täglichen Arbeiten, dem Küchenzwang auch Freude abzuringen, dann gebührt ihnen dazu auch noch grosser Respekt.

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