FOOD KOLUMNE Nr. 35 | Restaurants

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Die Beurteilung von Restaurants beschränkt sich meistens auf zwei Sätze. Wir waren in diesem oder jenem, es hat uns gefallen, war gut oder schlecht – und das war’s.  Doch auswärtiges Essen ist viel mehr als „nur“ das. Empfang, Service, Ambience, Stimmung, Tischdeko, Lärm, Licht und Preis Leistung sind genauso wichtig wie das, wofür wir ein Lokal besuchen: Das Essen. Viele der Kriterien beeinflussen uns lange bevor der Koch sein Können beweisen darf. Schon oft habe ich ein Lokal wieder verlassen bevor ich die Türklinke aus der Hand gelassen habe. Wenn mir eine Atmosphäre nicht behagt, drehe ich mich nämlich auf der Türschwelle wieder um. Manchmal komme ich einen Schritt weiter, sitze an einem Tisch und warte … und warte. Das kann ich nicht ausstehen und bin dann schnell wieder aus dem Lokal draussen. Auch zu laute – meist In-Lokale sind nicht so mein Ding. Essen ist eine sinnliche Tätigkeit der ich in gerne in Ruhe oder im Gespräch mit Menschen nachgehe. Die Liste liesse sich fast bis ins unendliche verlängern. Unbequeme Stühle, schmutzige Tischtücher oder Tische, unhöfliche, inkompetente Bedienung und so weiter und so fort. Es gibt eine Unmenge Freudenkiller und Appetitverderber in Esslokalen die überhaupt nichts mit der Küche zu tun haben. Manchmal kommt es mir wie ein Hindernislauf vor bis ich endlich den ersten Teller auf dem Tisch habe.

Jetzt beginnt das wofür wir gekommen sind. Denn nur der Hunger, die Lust auf etwas einzigartiges, die Faulheit selbst zu kochen, das Bedürfnis Christina auszuführen haben mich vom heimischen Herd weg in ein Restaurant geführt. Der „Hindernislauf“ und die Toiletten sind ja nur das Rahmenprogramm. Nun kann die Küche zeigen was sie drauf hat, darf mich verwöhnen oder mir eben nur gerade den Hunger stillen. Das nenne ich dann Nahrungsaufnahme. Nicht mehr, nicht weniger. Überraschungen gibt es auf beide Seiten, die guten und die schlechten. Doch in beiden Fällen wird man anschliessend vom Geschirr abräumenden Personal gefragt: “War’s recht?“ Die Antwort bei grossartigen Essen fällt eigentlich nie schwer. Doch bei gerade noch genügender Qualität, wenn der Hunger mich zwingt den aufgetischten Frass zu essen anstatt in die Küche zurückzuschicken, dann fällt es mir schwer einen Kommentar zu geben, dann bleibe ich meistens stumm und weiss: Hier war ich zum ersten, zum einzigen und letzten Mal.

Die Veränderung der Restaurantszene über die letzten Jahrzehnte hat für mich etwas erschreckendes. Gemütliche Lokale mit einfacher guter Küche sind bei uns kaum mehr zu finden. Alles muss trendig sein, laute Musik ist wichtiger als die Nahrung, lange Schürzen beim Service wichtiger als das Benehmen und Können des Personals. Ein jeder wird im Service beschäftigt, als Lehrberuf ist er bald ausgestorben. Convenience Food ersetzt die Köche und im einen Lokal schmeckts wie beim anderen. Leider nicht besonders. Spitzenlokale werden seltener besucht, haben dadurch ihre Probleme und werden weniger und weniger. Zum Glück kann ich selbst ein Spiegelei braten und mir nett lächelnd in einem schönen, vorgewärmten Teller zu Hause bei Kerzenlicht und leiser barocker Musik im Hintergrund auf den Tisch stellen. Sitzt mir auch noch Christina zufrieden gegenüber ist alles perfekt. Ich muss anschliessend nicht mal einen wertenden Kommentar abgeben geschweige dafür bezahlen.

2 Kommentare

  1. Ich stimme dir absolut zu, was die Veränderung der Restaurants und derer Qualität in den letzten Jahren angeht. Neben dem Ambiente und natürlich dem Essen finde ich es stets sehr wichtig, dass ich nicht das Gefühl bekomme „abgefertigt“ zu werden, nach dem Motten „Reinkommen-setzen-essen-zahlen-gehen“. Und was mir auch sehr zuwider ist, sind Restaurants, in denen mit aller Macht so viele Tische hineingestellt wurden, dass man das Gefühlt hat in einem Oktoberfestzelt zu sitzen. Spiegelei, Kerzen und Tellerwärmen kann ich übrigens auch und ganz selten geht es dann wirklich mal in ein gutes (meist auch teureres 😕) Restaurant.

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