FOOD KOLUMNE Nr. 36 | Reisejahre

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In Australien habe ich nie Kängeruh verspiesen. Dafür den Leguan in Mexico und Heuschrecken in Thailand probiert. Das Essen auf meinen beruflichen Reisen war selten von kulinarischen Höhenflügen geprägt. Eher von Erlebnissen. Der Versuch solche in Erinnerung zu rufen, ergibt eine Mischung von Düften, Geschmack, Ländern und Menschen die mit mir zusammen waren, es ist immer ein grosses Durcheinander und beginnt doch immer mit den frühsten Erinnerungen, zu Hause in der Jugend. Der Duft frischen Brotes wenn meine Mutter mich am frühen Morgen in die Bäckerei schickte ofenwarmes Brot zu kaufen. Dieser kam aus der Backstube hoch und die noch nicht ganz erkalteten Leiber haben ihn verströmt. Zu Hause dann mit frischer Butter, die den Namen noch verdiente und der selbst gemachten Konfitüre bestrichen, war das einfach unglaublich gut. Oder am Sonntag wenn Mütterchen eine gefüllte Kalbsbrust im Ofen hatte. Da stand ich ab zehn Uhr bei ihr in der Küche, schaute zu und sog den Duft der Zutaten der Füllung in mir auf. Ich konnte es kaum erwarten bis der Bräter auf dem Esstisch geöffnet wurde und den herrlichen Duft des Kalbfleisches verströmte. Dann mit dem älter werden die ersten Erfahrungen mit  grossen Weinen die ich trinken durfte. Meine ersten grossen Bordeaux-Weine sind mir unvergesslich, genauso auch der erste fantastische Burgunder. Es sind eingeprägte Geschmackswunder die mein späteres Leben veränderten. Der Wunsch noch mehr dieser Düfte und Geschmacksvielfalt zu erleben war geboren.

Dann kamen meine Jahre in Griechenland das zur damaligen Zeit keine grosse Küche kannte. Die Essen in den Tavernen waren fröhliche, ungezwungene Erlebnisse mit wunderbaren Menschen. Die Gerichte jedoch sehr einfach und meist die gleichen Standards vom griechischen Salat bis zur Moussaka. Als Wein trank man Rezina, den geharzten Wein der uns immer fröhlich und glücklich machte. Und doch sind auch da Erinnerungen an Düfte, vor allem an Oregano und am Spiess gebratenes Fleisch. Anschliessend kamen meine Reisejahre. Kulinarische Höhenflüge waren nicht dabei, doch viele einprägende Momente. Ich habe z.B. das erste Raclette meines Lebens in Australien und das erste Käsefondue in Mexico gegessen. An beiden Orten waren es Heimwehschweizer die mich dazu eingeladen haben. Ich habe aber auch in Sidney meine verücktesten Frühstücke im Bett verspiesen. Jeden Morgen bestellte ich eine Platte mit Würsten, kross gebratenem Speck, Lammkoteletten oder Steak und Spiegeleiern auf das Hotelzimmer. So konnte ich problemlos meinen Arbeitstag bei meinem Kunden verbringen bei dem es nichts zu essen gab. Auch werde ich mein erstes Spiegelei das mir in Japan mit Essstäbchen serviert wurde genau so wenig vergessen, wie die ersten sehr langen Spaghetti die ich mit Stäbchen essen musste.

Ein schönes Erlebnis war auch grossartiger Beluga-Kaviar Malossol in Moskau und – wie es damals noch hiess – Leningrad. Zusammen mit dem damaligen super Wodka “Sibirskaja” in den schönen alten Hotels eine tolle Erinnerung. Ja und dann als nächster Gang Chicken Kiew, entbeinte Hühnerschenkel mit einer Art Kräuterbutter gefüllt, paniert und in Butter golden gebraten. Einmalig. Zurück zum Kaviar. Es liess sich damals für ein paar neue Jeans gegen eine Originalabfüllungsbüchse (1,8kg) des besten frischesten Kaviars tauschen. Also Jeans für CHF 120.- gegen eine Büchse im Wert von damals CHF 6000.-. Es war unglaublich Löffelweise so viel davon zu essen wie man Lust und Laune hatte.

Aber auch meine erste wirklich gute Paella in Barcelona ist mir noch präsent oder die unglaublichen Tapas in San Sebastian. Das beste Steak hatte ich jedoch in Brüssel und einen unglaubliches, gefülltes Kaninchen in Kärnten bei der Mutter eines Jugendfreundes. Erschreckend die weissen pampigen Bohnen und schlabrigen Frankfurter aus der Büchse, nachwürzen verboten in Long Island NY und wunderbar das erste polynesische Grubenschwein. Umso länger ich schreibe umso schneller kommen die unzähligen Erinnerungen, an die Menschen die ich dabei kennenlernte und die fantastischen Orte die ich dank meinem damaligen Beruf besuchen konnte.

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