FOOD KOLUMNE NR. 44 | PELLKARTOFFELN

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Wer gut kocht hört immer wieder von seinen Gästen: „Ich kann dich nie einladen denn ich koche nicht so gut.“ Dies erleben auch einige meiner Bekannten, alles Leute die mit Freude in der Küche stehen und überdurchschnittlich kochen. Ich entgegne immer: „Aber Spaghetti oder einen Braten kochen kannst du? Denn das sind auch Gerichte die wir sehr lieben.“

Meistens dauert es sehr lange bis (wenn überhaupt) eine Gegeneinladung eintrifft. Natürlich bin ich immer sehr gespannt was denn auf den Tisch kommen wird.

Haben die Bekannten begriffen dass wir uns auch an ganz einfachen Gerichten erfreuen? Oder gibt es unter grossem Stress ein kompliziertes Essen dem sie nicht gewachsen sind? Meistens ist das zweite der Fall. Es wird genau bei unserem Besuch ein neues (oder mehrere) Gerichte ausprobiert. Dies von Menschen die schon ein Problem haben dass ihnen das Teewasser in der Pfanne nicht anbrennt. Mit dem Ergebnis von fast Ungeniessbarem das anschliessend noch gelobt werden sollte. Auf die Frage ob man in der Küche helfen darf wird ebenfalls grundsätzlich mit NEIN geantwortet. Frustrierend für alle. Ich habe schon Fisch vorgesetzt bekommen der eine Konsistenz von Gummi hatte. Auch mit einer Axt liess er sich kaum zerteilen, zum Glück blieben meine Zähne nicht darin stecken. An jenem Abend ging ich sehr hungrig vom Tisch, denn ich musste Magenschmerzen vortäuschen um dieses Desaster nicht Essen zu müssen. Es war übrigens bevor es in die Fänge dieser Monster geriet (auch Bekannte genannt) eine Seezunge, die gerollt und meiner Schätzung nach mindestens zwei Stunden bei geschätzten 120° im Ofen verhärtet wurde!  Doch ich will euch nicht das Wochenende verderben. Weder über innen graue Rindsfilets, noch über braunen Spinat erzählen. Da Frage ich mich einfach immer WARUM, sind gewisse Menschen so Dumm. Von einer guten Salami, Käse, Oliven und gutem Brot, ohne jeden Stress serviert, wäre ich begeistert gewesen.

Als ich zum ersten Male Spitzenköche zu Besuch hatte überlegte ich mir lange was ich denn Auftischen solle. Auf ihrem Feld konnte ich die beiden ja sicher nicht schlagen. Der eine hatte 16, der andere 17 Punkte bei Gault Millau, ein Michelin Stern war auch dabei. Ich entschied mich für Pellkartoffeln, eine Käseplatte, einen grossen weissen Trüffel und eine Doppelmagnum Mission Haut Brion 1985. Ich suchte lange nach den besten Kartoffeln und grossartigen Käsen. Der Kochaufwand war gleich Null und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Mit diesem simplen Essen habe ich ihre Herzen erobert. Der fantastische Wein und die weisse Knolle wurden fröhlich vernichtet fanden aber keine Erwähnung. Die Gewinner des abends waren die Pellkartoffeln.

4 Kommentare

  1. Selbst ein Alain „Ducasse erklärt seinen Erfolg mit der Einfachheit seiner Kreationen, , die nichtsdestotrotz zu einem saftigen Preis aufgetischt werden. Im Plaza Athénée etwa bekommt man kein Menü unter 300 Euro.“ Übrigens auch ein Grund, warum ich selber koche.

    http://www.zeit.de/online/2009/35/ducasse-kochkurs

    Allerdings hat Einfachheit auch mit Können zu tun. Wenn man etwas kann, klar das ist dann einfach gewesen.

  2. naja…. gelegentlich bieten Spitzenköche auch so etwas wie eine Gummiseezunge an, edel kredenzt als neueste kulinarische Kreation und es gibt genug Konsumenten, die das dann genau hipp finden 😉 Und wer zu Pellkartoffel weissen Trüffel und einen Doppelmagnum Mission Haut Brion 1985 reicht, der serviert nichts einfaches. Wie du schon beschreibst, du hast lange gesucht und womöglich viel investiert 😉

    1. Pellkartoffeln und Käseeinkauf sind kochtechnisch auf unterster Stufe. Diese Einfachheit hat die Jungs begeistert. Weniger ist eben manchmal mehr. Ein einfacher Wein und keine Knolle hätten auch genügt.
      Grüsse aus dem nebligen Zürich, Bernhard

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