FOOD KOLUMNE NR. 45 | Schnapsidee

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„Mach doch einfach etwas…“, „Du kochst doch immer etwas feines…“ oder „ich habe im Moment keine Idee…“ sind die Standardantworten meiner Kostgänger auf meine Frage: „Auf was habt ihr Lust?“ Damit sind sie mir keine Hilfe bei der täglichen Suche nach neuen Gerichten. Oft kommen Wünsche nach Speisen die sie lieben, die wir aber schon auf unserem Speisezettel hatten. Wir haben gemeinsam unser Konzept JEDEN TAG EIN NEUES GERICHT entwickelt. Trotzdem schauen sie mich manchmal traurig an, als ob ich daran alleine Schuld sei. Dabei kann ich meine Lieben gut verstehen. Auch ich habe eine ganze Anzahl Leibspeisen die ich gut und gerne 1x pro Monat auf dem Teller sehe. Corden Bleu, Spaghetti Bolognese, Rindsfilet um nur drei zu nennen. Nur schon der Gedanke daran lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Zum Glück besteht die Möglichkeit diese Leibspeisen an den Wochenenden aufzutischen. Natürlich nur diejenigen die zu unserer Ernährungsphilosophie passen. Denn daran scheitert vieles. Zum Beispiel das Cordon Bleu. Da das Weight-Watchers-Prinzip keine Diät ist, dürfen wir dieses wunderbare Gericht (dem Erfinder sei an dieser Stelle herzlich gedankt), diese Mischung aus geschmolzenem Käse, Schinken, Fleisch und in Butter geröstetem Semmelbrösel problemlos essen. Es ist nichts dabei das auf einer Verbotsliste steht. Nur …., die Grösse würde nicht stimmen. Es wäre nicht mehr ein tellerfüllendes, einige hundert Gramm schweres, mit Pommes Frites umrandetes Megateil. Nein, es würde zu einem Appetithäppchen verkümmern, gerade gross genug um einen Menschen wie mich verrückt zu machen. So macht das keinen Spass. Dann verzichte ich lieber ganz.

Der innovative Superstarkoch Ferran Adrià hatte ein Kochlabor in dem er mit Wissenschaftlern, Designern, Lebensmitteltechnikern, -chemikern und Künstlern neue Rezepte kreierte. Er hatte Menschen engagiert die auf dem ganzen Erdball nach neuen Produkten für seine Küche suchten. Im weiteren stand ihm eine modernste Küche mit 50 Mitarbeitern zur Verfügung. Trotzdem kam er nicht wie wir auf die idiotische Idee täglich neue Gerichte anzubieten. Naja, wir sind selber Schuld, da hilft kein Jammern, da hilft nur Kreativität.

Das brachte mich auf die Idee Essen alphabetisch zusammenstellen. Zum Beispiel am ersten Tag des Monats nur Nahrungsmittel die mit A beginnen, dann nur B usw. Da hätten wir Aprikosen, Anis, Artischoken, Advocado, Anchovice, Aal, Apfel, Asparagus, Auberginen, Auflauf und Getränke wie Altarwein, Asti Spumante Alicoté und Albarinio. Natürlich liesse sich in diese Liste mit Ortsnamen noch verbessern. Zum Beispiel “Argentinisches Rindfleisch” oder “Älpler Maccaronen”. Doch so einfach wollte ich mir das Leben nicht machen, etwas Spannung soll ja sein. Diesem Ferran zeigen, dass ein durchschnittliches mitteleuropäisches Bloggerhirn genügt (ohne Labor und Wissenschaftler) um neues in der Küche zu erschaffen. Ich habe mir also ein kleines Menü aus den “A-Produkten” zusammengeschustert:

Asparagus mit Anchovis Butter
Wein: Asti Spumante

Aal geräuchert mit Artischockenherzen
Wein: Alicoté

Auflauf von Auberginen mit Albatrüffeln
Wein: Chateaux Ausone 1990

Apfeltarte mit Anis
Wein: Château d’Arche 2001

Der geneigte Leser merkt etwas. Wir haben keinen Ofen, keinen Räucherofen, die Truffel und die Spargeln sind nicht zur gleichen Jahreszeit erhältlich und wir trinken kaum Wein. Es fehlt während der Arbeit die Zeit um Menus zu kochen also bleibt das ABC kochen eine Schnapsidee.

Leider ?!

4 Kommentare

  1. Weil ich auch gerne Cordon Bleu esse, habe ich das Buch „Cordon Bleu“ von Ueli Bernold mit vielen verschiedenen Varianten vom Cordon Bleu. Da kann man lange Cordon Bleu essen ohne sich zu wiederholen. Na, wär das nix? Ist sogar ein Schweizer. Und Weihnachten ist ja auch bald…
    liebe Grüße
    Christian

    1. Lieber Christian, in der Hinsicht bin ich ein Purist. Nicht immer die gleiche Käsesorte, das Fleisch nicht immer vom selben Kalb. Ansonsten keine Änderung. Da kommt mir keine Ananass rein, keine Banane, keine andere Zutat. Ein Cordon Bleu ist nur in der originalen Form ein Cordon Bleu. Da gibt es nur ein Rezept, nur eine Buchseite. Ich glaube dieser Bernold ist ein Betrüger. Herzliche Grüsse, Bernhard

  2. Doof, dass ich all die genannten A- Produkte nicht mag- aber Cordon Bleu liebe ich und musste gerade, nach sehr langem Überlegen, feststellen, dass es bestimmt schon 5 Jahte her ist, als ich es zuletzt gegessen habe. Ich denke, das werde ich zeitnah ändern 🙂 Euch ein schönes Wochenende!! Ralf

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