FOOD KOLUMNE NR. 49 | VEGETARISCH

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Ich stehe in der Küche des Restaurants Mesa in Zürich. Umarme meinen Freund Antonio den Küchenchef und strahle ihn an. Was für eine Freude ihn zu sehen. Er ist ein Herz von einem Menschen und für mich der beste Koch. “Was gibt’s frage ich ihn” und schaue ihn hungrig an. Er schmunzelt, zögert den Moment der Antwort hinaus. Ich weiss er wird die Antwort nicht zu schnell geben, er will mich auf die Folter spannen. In solchen Momenten benimmt er sich nicht wie ein Secondo sondern wie ein Berner. In dieser Stadt der Langsamen in der er aufgewachsen ist, deren Dialekt er perfekt beherrscht. Ich weiss, dass er sich jetzt zuerst einmal räuspert um die Antwort weiter in die Länge zu ziehen. “Hemmmm….” Er lächelt, ich starre unterdessen unfreundlich zurück. “Hemmmmm….” noch einmal! Jetzt übertreibt er aber, geht langsam zu weit. Er zögert die Antwort hinaus, macht langsam, weiss dass er mich ärgert. Ich überlege wie ich ihn beschimpfen soll. “Spaghettifresser” oder “dicker Italo”? Doch er merkt, dass er mich genau dort hat wo er will, dass ich kurz vor dem sabbern bin. “Hemmmmm, da hätte ich eine Bouillabaisse zum anfangen….” Ach, er weiss genau, dass ich diese zum fressen gerne habe. Er ist ein Meister dieser Suppe, ich liebe ihn dafür. Und weiter, sprich schon, denn jetzt wird er mir erzählen was er heute für Pasta zubereitet hat. Hauchdünne göttliche Pasta. Meistens serviert mit einer unglaublichen Sauce. Den Teig mit Junghennen-Eiern erstellt und um diese Jahreszeit mit weissen Trüffel überhobelt. Ich denke: “Komm schon sag’s endlich, spann mich nicht weiter auf die Folter du mieser Pastafresser…“ Er strahlt und lächelt mich weiterhin an. Nochmals. “Hemmmm …..” Ich sehe mich in seiner Küche nach den Messern um. Doch jetzt endlich – nein, er kann es nicht lassen, noch ein lächeln, noch ein strahlen und noch ein: „Hemmmm ……ich hätte noch mit Brasatto gefüllte Ravioli mit einem Fond von ….” – “Jaaaaa gerne, das nehme ich und zum Hauptgang?” Ach der verdammte Kerl, ich liebe ihn, ich hasse ihn, er lächelt schon wieder “Willst du nicht zuvor noch einen kleinen Zwischgang, ich hätte noch frische Krebse an einer Grapefruitsauce, oder ganz neu einen traumhaften lackierten Stör. Was meinst Du?” – “Antonio, du weisst doch ich bin am abnehmen, ich sollte überhaupt nicht bei dir sein ich…..“ – ”Aber Bernardo, kein Problem ich mache dir kleine Portionen, va bene?” – “Ok, bene, aber der Hauptgang was ..?” – „Ach Bernardo, habe doch ein bisschen Geduld. Ich mache dir etwas schönes und sage Reini (dem Sommelier) was es gibt. Ok?”

Er weiss genau dass ich es kaum mehr erwarten kann. Schiebt mir noch rasch ein Stück Kalbshaxe zwischen meine Zähne, murmelt “Sou vide, 3 Tage bei 57° Grad” und ich gehe aus der Küche dem nächsten Stress mit Reini entgegen. Es gilt mit ihm die Weine zu besprechen doch ……..

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr …… der verdammte Wecker, Zeit aufzustehen und das heutige Mitagessen zu planen. Was haben meine Ladies bestellt? “Bernhard mach endlich mal wieder etwas vegetarisches und dazu einen schönen Salat.”

2 Kommentare

  1. Bernhard, Du musst unbedingt mal eine Bouillabaisse zwischen die Kiemen kriegen. Danach mindestens eine Kalbshaxe sous vide gegart. Das rat ich Dir. Bevor Du hier durchdrehst! 😉

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