FOOD KOLUMNE Nr. 58 | vely, vely

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Zwei Japaner ankommend aus den USA, beide Mitarbeiter unseres damaligen Lieferanten holte ich am Flughafen ab um sie ins Hotel zu fahren. Wir arbeiteten schon einige Jahre zusammen und hatten ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Auf der Fahrt wollte ich die Zwei zum Nachtessen einladen, ich hatte dafür schon alles eingekauft. Shimurasan, der jüngere schaute mich entschuldigend an und meinte: „Bernard, I’m very sorry. Wir waren 6 Wochen in den Vereinigten Staaten und haben in der Zeit kein Japanisches Essen bekommen. Wir haben uns vorgenommen heute im Sala of Tokio zu speisen.“ Dafür hatte ich Verständnis, aber in meinem Kopf war umgehend ein Plan entstanden. Ich entgegnete ihm: „Wir essen zusammen japanisch, ich werde euch am Abend im Hotel abholen.“

Wir waren mit einem japanisch-schweizerischem Ehepaar befreundet. Oftmals haben wir uns sehr spontan gegenseitig eingeladen. Meist hatten beide schon eingekauft doch das war nie ein Problem. Kamen sie zu uns brachten sie ihre Einkäufe mit und ich kochte damit westlich. War die Einladung umgekehrt brachte ich meine Einkäufe zu ihnen und sie wurden japanisiert.

Kaum hatte ich meine beiden Gäste im Hotel abgeladen rief ich unsere Bekannte Matschiko an, erklärte ihr die Sachlage und fragte sie ob sie bereit sei am Abend für meine Gäste und uns zu kochen. „Kein Problem das mache ich gerne“ sagte sie „bring doch einfach was du hast am Nachmittag vorbei.“

Am Abend sind wir dann zu viert bei Matschiko und ihrem Ehemann Bruno erschienen. Der Esstisch war in der Küche der eher kleinen Dachwohnung mit Abschrägungen. Ein altmodischer Gasherd stand auf der linken Seite. Darauf, neben vielen weiteren Pfannen ein riesiger Kochtopf der über den oberen Rand hinaus mit Reis gefüllt war. „Matschiko, wer soll das alles Essen“ fragte ich sie beim betreten der Küche. „Keine Angst Bernhard“ gab sie als Antwort „du wirst schon sehen was geschieht.“

An jedem Sitzplatz waren grosse, asiatischen Essschüsseln aufgetischt die nun mit viel Reis und einer Unmenge verschiedenster Speisen gefüllt wurden. Meine beiden Gäste strahlten uns an. Nachdem wir uns guten Appetit gewünscht hatten, begannen sie in einem irren Tempo ihr Essen mit den Stäbchen in ihre Münder zu schaufeln. Laute Essgeräusche begleiteten dieses geschwindigkeitsrekordverdächtige Verschlingen der leckeren Speisen. Die zwei schienen wirklich unter einem Reismangel zu leiden. Matschiko hatte das perfekte Dinner für die beiden gekocht. Es blieb kein Reiskorn übrig, auch nichts von den vielen anderen Köstlichkeiten. Die beiden waren satt, man sah es gut, sogar übersatt. Glücklich verdrehten sie ihre Augen. Der ältere der beiden, er sprach nicht besonders gut Englisch, strich sich zufrieden über sein gut gefülltes Bäuchlein und meinte: „Matschiko, I thank you vely vely much. My stomak is vely vely sulpliced“.

Auch jetzt, über 30 Jahre später ist dieser Satz immer noch eines der schönsten Komplimente die ich je gehört habe.

5 Kommentare

  1. So lässig – Du entwickelst Dich langsam zum Henry Miller des Essens.
    Ein schöner Sonntag wünscht Euch

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