FOOD KOLUMNE Nr. 60 | Wasser

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Essen und Getränke sind ein Paar das perfekt harmonieren sollte. Erstaunlicherweise wird in den Kochblogs kaum je ein Wort darüber verloren. Für mich völlig unverständlich denn das falsche Getränk zu einer Speise kann diese beinahe ruinieren. Eine Untugend sind alle stark übersüssten Limonaden und Eistees die mit ihrem hohen Zuckergehalt und den meist künstlichen Aromastoffen den Gaumen beinahe versiegeln und damit Essgenuss beinahe verunmöglichen. “Ich habe Durst” ist meist die “Entschuldigung” der Liebhaber solcher Flüssigkeiten die solches – wenn überhaupt – besser vor oder nach dem Essen trinken würden.

Von Bier habe ich nicht viel Ahnung. Bei einem Besuch in Prag im Alter von 17 Jahren, kam ich in den Genuss von grossartigen Pilsner Bieren. Nie werde ich die Kombination des herrlichen, fast schwarzen Gebräus im U Fleků in der Kombination mit im Ofen geröstetem, mit Knoblauchbutter bestrichenen Sauerteigbrot vergessen. Himmlisch. Diese Pilsner waren so wunderbar dass ich unsere Schweizer Biere nach meiner Rückkehr ins Schwyzerländli einfach nicht mehr akzeptieren wollte. Ich beschloss damals nie mehr Bier zu trinken ausser es wäre von hoher Qualität. So kam es dass mein Wissen über Getränke aus Hopfen und Malz aus Unwissenheit besteht. Keine Ahnung wie ein obergäriges oder ein Weizenbier schmeckt. Dass ich damit etwas verpasst habe ist mir völlig klar. Nur Frage ich mich warum in keinem mir bekannten Blog über diese Kombination von Bier und Essen geschrieben wird. Bin ich in einer falschen Community zu Hause?

Bedingt durch meine Biertrinkverweigerung habe ich mich dem Wein zugewandt. Eine unglaubliche Welt die es zu entdecken gab. Traubensorten, Regionen, Zubereitung, Lagerung, Gläser, Trinkreife, Temperatur, dies alles galt es zu Erforschen und darüber zu lernen. Was für eine Geschmacksvielfalt ohne Ende mit immer wieder neuen Entdeckungen. Doch das wichtigste war das erforschen der besten Kombinationen im Zusammenhang mit Speisen. Speise und Getränk die sich gegenseitig ergänzen, unterstützen ohne dass das eine das andere dominiert. Eine Kunst die viel Erfahrung und mit Vorteil einen guten Weinkeller verlangt.

In den 80er-Jahren hat sich die Weinproduktion verbessert. Der Ursprung bei den Rotweinen lag an den weitgehend schlechten, ja teilweise sogar Katastrophalen 70er Jahrgängen in Frankreich. Plötzlich entstanden Zweitweine, sorgfältigere Auswahl des Traubengutes und weitere Massnahmen die nicht nur die Spitzenweine sondern bis zu einfachen kleinen Gütern eine spürbare Qualitätsverbesserung brachten. Bei den Süssweinen halfen die Skandale in Deutschland und Österreich zu besseren Kontrollen und damit eine Steigerung der Qualität. In der Schweiz (seufz) dauerte es bis zum Abbau der hohen Einfuhrzölle die unsere einheimischen Produzenten zwang bessere Weine zu produzieren.

Tatsache ist dass heute dank kleinen Brauereien viele gute Biere, dank guten Weinen auch im billig Segment gutes und erwähnenswertes vorhanden ist um passendes zum Essen zu servieren. Schade dass dies alles keine Erwähnung in den Blogs findet. Oft werden unglaubliche Gerichte präsentiert und ich platze fast vor Neugier was für Getränke dazu serviert wurden. Vielleicht hat sich die Welt bei der heutigen Generation verändert, sind meine Gedanken zu Alkohol wie Wein und Bier überholt. Um ehrlich zu sein, das neutralste und problemloseste Getränk das zu allen Speisen passt ist der neutrale Geschmack von Wasser. Am liebsten ganz kalt direkt aus der Leitung.

13 Kommentare

  1. Hallo Bernhard,

    das was ich schrieb, war nur eine nüchterne Betrachtung der Sachlage. Es lag mir fern jemanden anzugreifen, wo doch wir alle an und ab eine Portion Ernüchterung brauchen. Es geht hier um Hobby und es soll kein Zwang dahinter stehen, dennoch ,so ist das Leben, für alles was wir tun, müssen wir auch Verantwortung tragen ob wir das wollen oder nicht. Bewusst oder unbewusst , schreiben wir ein Stück Geschichte mit das was wir tun. Das Internet vergisst nichts und deshalb ist es unsererseits mehr Qualität notwendig so dass wir , später stolz auf uns selbst seien können. Halbe Sachen bleiben nun ,mal halbe Sachen. Den Schuh ziehe ich mir selbstverständlich auch an. Habe dein Thema nur partiell aufgegriffen, und das bewusst. Es geht nicht nur um Weine sondern auch um andere Getränke. Dachte aber nicht das Du darauf reagierst und wollte mir eventuell eine überflüssige Tirade sparen. Jetzt aber , nehme ich gerne zu meiner Provokation Stellung
    Dein Posting war sicherlich die feinere ( sehr feinere ) Art die Leute dafür zu animieren und hoffe das sehr viele sich darüber Gedanken machen werden. Wir bloggen viel und lernen wahrscheinlich auch viel daraus, was aber Ess-und Genuss Kultur betrifft , stehen wir ziemlich hinten. In Asien zBsp. genießt das essen eine viel höhere Bedeutung wie bei uns.
    Du / Ihr fabriziert tolle Sachen und jeder merkt sofort, alles ist professionell ausgeführt und durchdacht. Euer Erfolg bestätigt das. Habe nicht einmal an „ einfach“ gedacht als ich „nur“ ein Gericht schrieb, derartig anmaßend bin ich nicht. Ich meinte damit, die meisten Blogger beschäftigen sich nicht mit komplexeren Projekte denn so etwas zu realisieren ist nicht leicht, zugegeben. Du / Ihr als Restaurantkenner wisst und könnt die Komplexität eines 8-10 Gänge Menüs einschätzen. Und auch der Arbeitsaufwand der damit zusammen hängt. Das glaube ich, schreckt vielen ab. So beschränkt man sich generell auf 2 Gänge und somit gerät man mit der Zeit in einen einfachen Trott . Man trinkt sicherlich immer was dazu, die wenigsten legen aber ein spezieller Augenmerk darauf. Es wird halt das getrunken was da ist.
    Freut mich das Dir meine Sachen gefallen. Ich präsentiere mich aus Überzeugung extrem minimalistisch, verliere keine Worte , die Energie stecke ich in meiner Arbeit . Alles was ich mache , ist für mich und nur für mich. Das heißt , das Ergebnis muss mir und nur mir gefallen. Meinen Essern auch, klar , dennoch, ich poste nur um den anderen , eine Anregung eventuell zu liefern , mehr nicht. Das mit der Spitzenkoch-Niveau schmeichelt mit natürlich , danke dafür, bis dorthin muss ich aber noch ein paar tausendmal backen und kochen
    Mein Blog-Konzept ist etwas unlogisch, weil ich so wirr und nicht zusammen hängend poste. Dies resultiert daraus , weil ich vegetarisch von carnivorisch strikt trenne. Ich lebe seit 10 Jahren vegetarisch, 4 davon strikt roh-vegan. Zerlege deshalb meine Menüs und poste nur das vegetarische, einen sehr kleinen Teil der Fleischgerichte poste ich unter Photogalerie –nicht vegetarisches. Wieso ich das erzähle, ich möchte ein klareres Bild über mein Konzept liefern. Zu meinen Menüs gehören selbstverständlich ausgewählte Getränke. Viel Wein, aber auch viel Bier. Gerade beim Biere , liefert Mittelfranken eine ungeheuer große Auswahl an speziellen Biere. Keine Supermarkt-Biere versteht sich
    Der Getränkeauswahl , hängt immer mit der Vorlieben der Esser zusammen. Sehr oft gibt es nur Wasser. Hier muss ich mit bedauern sagen/schreiben, ist die Auswahl recht beschränkt. Ich als nicht Alkohol-Trinker , würde mich besonders über gute Wässer freuen, das vorhandene Angebot ist sehr, sehr mager. Nur zu oft musste ich feststellen das ein Discounter-Wasser um Längen qualitativ besser ist wie teuer verkauften Produkte. Wenn meine Zeit zulässt, hole ich mir Quellen-Wasser direkt aus dem Wald. Nur um einen Anhaltspunkt über meine Wasser Kenntnisse zu liefern, habe des öfteren auch Gletschermilch getrunken, allerdings direkt am Gletscher. Nur ein einziges Mal auch gekauft. Seitdem nicht wieder….
    Wäre sicherlich froh wenn jemanden Tipps für mich hätte.
    So , ich hoffe , Du weißt jetzt wieso ich die Getränke nicht poste, denn es fehlt die Verbindung dazu. Dafür müsste ich die Menüs im ganzen posten…

    Beste Grüße aus den Franken
    Jacob

  2. Doch , es gibt schon Blogs wo auch die Getränke gleichwertig behandelt werden. Küchentanz, und LamiaCucina fallen mir spontan ein, es gibt aber noch mehr. Diejenigen die Menues zubereiten, bauen zwangsläufig auch Getränke ein.Normale Postings , wenn auch ambitioniert, die nur ein Gericht präsentieren, präsentieren nie Getränke. Ergo, die routinierteren Ambitionierten beschäftigen sich damit…..Gruß

    1. Mag sein dass meine Erwartungshaltung falsch ist. Bin per Zufall zum Blogger für “einfache“ Gerichte geworden, lebe aber in Gedanken in einer andern Welt. Die Samstagskolumne erlaubt mir meine Gedanken zu äussern die sicher oftmals weiterer Erklärungen bedürften. Eine Kolumne eben. Doch es gibt auch Positive Überraschungen. Eine davon sind dein Blog, deine aufwändigen, perfekt zubereiteten Gerichte im Niveau eines Spitzenkochs. Da haut’s mich aus den Socken, mein Gesicht beginnt zu strahlen, ich stelle mir die Geschmackskomponenten vor und mein Hirn denkt:” Da hätte ich XY dazu getrunken, was gab’s wohl tatsächlich dazu?”
      Liebe Grüsse, Bernhard

  3. Unter der Woche trinke ich auch einfach nur Wasser – kalt – aus der Leitung. Am Wochenende darf es dann aber gerne ein richtig guter Wein sein. Ich habe mir auch schon überlegt eine Weinrubrik in meinem Blog zu eröffnen. Finde es aber immer ein wenig schwierig, einen Wein zu umschreiben…. Aber vielleicht kommt das ja noch. LG Carmen

  4. Guten Morgen lieber Bernhard! Zuerst einmal ich liebe deine Samstagskolumnen! 🙂 und ich muss dir völlig recht geben und mich gleichzeitig ein bisschen schämen, denn ich bun so eine! 🙂 wie oft trinken wir ein gutes Bier oder Wein zum Essen, dann noch dazu aus meiner Region! Wir haben so tolle Weine und Biere hier in Österreich! Zukünftig werd ich mich mehr damit auseinander setzen! Danke vielmals für diesen tollen Denkanstoß! Glg Julia und schöne entspannte österliche Feiertage!

    1. Liebe Julie, danke das du meine Texte liest und magst. Tatsächlich habt ihr fantastische Weine in eurem Land, vor allem trockene und süsse Weissweine.
      Viel Spass beim entdecken.
      Liebe Grüsse, Bernhard

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