FOOD KOLUMNE Nr. 66 | Kanichenfutter

070516SA_070516

Schon mehrmals bin ich in unseren Texten über meine Arbeitskolleginnen hergezogen und habe ausgeplaudert was sie nicht gerne Essen. Mich selbst habe ich immer verschont um mich als “Heiligen” zu positionieren. Dies ist der Vorteil des Schreibenden der die “Macht” in den Händen hält. Doch für einmal drehe ich den Spiess um und nehme mich selbst als Zielscheibe. Das Thema ist „Grüner Salat und ich“. Meine Gefühle für diese meist ungekochten, meist grünen Blätter die nur wenig Geschmack haben. Dieses komische Nahrungsmittel das nicht sättigt und ohne Sauce eines der langweiligsten Lebensmittel ist die ich kenne.

Ich frage mich immer wieder wie es dazu kommen konnte, dass Salat einen derart wichtiger Bestandteil unserer Nahrung werden konnte. Auf das Stichwort “Salat” kann sogar Google (vor einigen Sekunden getestet) nur eine ungefähre Angabe von 50 Millionen Beiträgen machen. Das ist um einiges mehr als z.B. Gemüse, Brot, Fleisch oder Fisch die alle so um die 35 Mio. Beiträge haben. Kartoffeln erreichen gerade mal noch 11 Mio., Reis liegt auf Platz zwei mit 190 Mio. hingegen Pasta (das kann ich gut verstehen) schlägt alles mit seinen 350 Millionen Beiträgen.

Schon als Kind machte mir Salat Angst. Jeden Tag wurde bei uns zu Hause eine grosse Schüssel davon auf den Tisch gestellt. Sobald meine Mutter mit schöpfen begann kam der schreckliche Moment, wenn sie eines der kleinsten Blätter auf ein Tellerchen legte und mir mit dem Kommentar “Schatz, das ist für dich. Versuch’s einfach es ist Wunderbar” überreichte. Nein es war nie wunderbar, es war immer nur schrecklich. Vielleicht hatte ich weniger mit dem Salat, sondern mit der Säure der Sauce Probleme. Es war zu einer Zeit als Balsamico die Schweiz noch nicht erreicht hatte, als Apfel -, Wein – und Kräuteressig noch den Markt beherrschten. Diese wirklich Sauren Säfte die mir noch heute alles zusammen ziehen.

Als ich mein Elternhaus verliess wurde ich endlich vom Salatblättchenessenmüssenzwang befreit. Eine Wohltat die ich bis in das Alter von fast 50 Jahren sehr schätzte. Ich frass mich durch Berge der von mir geliebten Pasta, Kartoffel und Fleisch bis mein Bauch über meinem Gürtel wabbelte. Gemüse ass ich wenig, Salat gleich Null. Salat war für mich ein No Go den ich grundsätzlich und netterweise denen überliess die ihn gerne mögen.

Meine heutige Lebenspartnerin hat jedoch viel mehr oder andere Salat Gene. Sie braucht und liebt Salat in grossen Mengen. Hmmmmm, da sie trotz diesem Defekt die Beste für mich ist musste ich einen Weg finden um mit ihren Essgewohnheiten zurecht zu kommen. Ich weigerte mich Salate zu putzen, Saucen zu mischen und forderte von ihr nur die zartesten Blättchen zu verwenden. Da sie selbst gerne gut isst war ihre Zubereitung mit Liebe gewürzt und ich bekam wirklich schöne, knackige Salate mit spannenden Mischungen aufgetischt. Mit dem Ergebnis dass ich meine Portionen ohne zu murren gegessen habe. Doch Glücksgefühle sind dabei nie entstanden. Ich konnte mich auch nicht durchringen mich in der Salat Zubereitung von grünem Salat zu üben.

Hingegen liebe ich Kartoffel– , Nudel– und Wurstsalate. Oder Linsensalat also alle die, deren Hauptbestandteile nicht die komischen grünen Blätter sind. Doch gerade meine Lieblinge sind nicht optimal Weight Watchers tauglich. Da die Damen im Büro in der Übermacht sind kommen leider fast täglich die anderen auf den Tisch. Meine Einstellung dazu wird sich kaum je ändern. Für mich ist und bleibt es Kaninchenfutter.

The best of Salads: (Anklicken zum Rezept)

caprese_small  currysalat_small  ww_01_mitww_01_small1  ww_03_mit3  ww_03_small2ww_05_mit2  ww_05_mit8  ww_05_smal

31 Kommentare

  1. hach, super! ich schließe mich gern an … wenn salat, dann muss aber noch was dabei sein, was ihn genießbar macht 🙂 eure hitliste muss ich unbedingt ausprobieren!
    danke und liebe grüße!

    1. aber es schmeckt nicht nur nach salat, und das macht den riesengroßen unterschied. 😉
      liebe grüße und auch schöne pfingsten!
      ina

  2. Ich mag eigentlich alles an Salaten, aber Couscoussalat oder Wurstsalat würde ich grünem Salat vorziehen. Außerdem vergaloppiert man sich bei grünem Salat häufig total mit den Kalorien, weil man immer so die Assoziation „Diätessen, hat ja so gut wie keine Kalorien“ hat, und dann hat man mit dem Dressing und den Zutaten womöglich mehr Kalorien aufgenommen, als wenn man eine Pizza gegessen hätte. Im Buch „Fettlogik überwinden“ gibt es echt eine krasse Anekdote dazu.

  3. Lieber Bernhard, dein Beitrag spricht mir aus der Seele, ich bin auch so eine….😑. Als Kind und Jugendliche war es für mich immer der größte Graus, wenn zum Essen diese Riesenschüssel grüner Salat mit Apfelessig und (bei uns in der Steiermark obligatorisch) Kernöl auf den Tisch kam – allein schon der Geruch verdarb mir schon den Appetit auf das ganze Essen. Damit kann man mich heute noch kilometerweit jagen. Meine Mutter bemühte sich aber schon früh um entsprechende andere Salatdressings für mich, und meist aß ich ihn mit Sauerrahm-Zitronendressing. Mittlerweile kenne ich für mich einige gute Salatrezepte, mit denen ich die grünen Blätter, die mir sonst auch nicht wirklich schmecken, doch gerne mag; mit verschiedenen Ölen, Walnuss- Oliven- und Trüffelöl, mit Käse, Parmaschinken und Avocados usw., dann esse ich hn auch gerne. Bin ich froh, dass ich nicht die einzige bin mit diesem Problem….früher wurde ich praktisch immer als abnormal hingestellt deswegen!

  4. Seit ich entdeckt habe, dass Blattsalat auch lauwarm oder gar gebraten geht, ist er deutlich attraktiver geworden. Ansonsten habe ich aus meiner Kindheit das Trauma, dass im Salat eigentlich immer Läuse waren. Das Waschen zu dem man gerne mal verdonnert wurde, wenn die Oma einen Kopf vorbei brachte, war mühselig und ekelig. Da verging einem jede Lust auf das grüne Zeug.

  5. Haha, ein guter Text! Und erstaunlich was die Menschen alles googeln. Ein Salat nur aus grünen Blättern ist auch nichts für mich, aber die abgebildeten würde ich alle mit Freuden verspeisen.
    Schönes Wochenende!

  6. Gott sei Dank geht es nicht nur mir so! Ja ab und zu ess ich die grünen Blätter schon- eher im Sommer und dann aufgepimpt bzw. dann, wenn die Figur danach schreit! 🙂 Aber du kennst ja „meine“ Salate vom Blog. Wenn dann muss Fleisch oder irgendwas gschmackigen dabei sein! Ich wünsch dir/euch ein schönes sonniges Wochenende! Glg, Julia

  7. Ich kann das so gut nachvollziehen! Grünen Blättern kann ich auch so gar nix abgewinnen. Der Herzensmann liebt Salat, deswegen gibt es den schon ab und an aber halt dann mit Avocado, Nüssen, Eiern, Lachs und solchen Leckereien, dass es nicht mehr viel mit einem grünen Salat zu tun hat. Griechischen Salat oder asiatische Salate mit Glasnudeln, Spinat, Algen oder so liebe ich hingegen. Seltsam 🙂 Schön, dass es nicht nur mir so geht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s