Food Kolumne Nr.68 | Rückfällig

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Schon im Alter von 18 Jahren war ich ein verfressenes Kerlchen. Zu jener Zeit wurde in Zürich das Warenhaus Globus neu eröffnet dessen Konzept unter Insidern weltberühmt war. Es wurde wegen technischen Neuheiten und dem revolutionären Konzepts von Warenhausmanagern aus der ganzen Welt besucht denn scheinbar war seinesgleichen damals nirgendwo sonst vorhanden.

Neu war in jeder Hinsicht auch die “Delikatessa” benannte Lebensmittel Abteilung. In der war einfach von allem nur das Beste zu haben. Nicht nur die Qualität der feilgebotenen Waren, sondern auch die Preise waren in ihrer Höhe eine Sache für sich. Trotzdem war es für mich unglaublich schwierig, nein unmöglich an diesem Laden vorbei zu gehen wenn ich in der Nähe war. Denn ob Fleisch, Gemüse, Käse, Brot, Fische, ja einfach alles wurde so lecker präsentiert das einem das Wasser im Mund zusammenlief. Natürlich war ich nicht der einzige, das Gedränge an den Verkaufstresen und den Kassen war immer gross. Der Laden war für jene Zeit der absolute Knaller.

Eines Abends bat mich meine damalige Freundin auf dem Heimweg noch ein Brot zu kaufen. Mein Weg führte mich am Globus vorbei und in das Warenhaus hinein. Sofort mit der Rolltreppe in mein so geliebtes Schlaraffenland zu fahren war ein Muss. Was ich euch hier und jetzt erzähle hat sich genau so abgespielt und ich übertreibe wirklich nicht. Am Fuss der Treppe war ein Stand mit von Hand gestochenen Cavaillon Spargeln aufgebaut. Na ja, warum nicht, mein Schatz liebte Spargeln auch. Ich bat mir ein gutes Kilogramm davon einzupacken. Logischerweise ging ich als nächstes in die Charcuterie und liess mir von dem unsagbar delikaten Parmaschinken 300g hauchdünn aufschneiden. Da ich damals die Spargeln nur alla milanese ass, spazierte ich als nächstes zum Käsestand. Neben fein geriebenem Parmesan erstand ich noch ein Stück von der wunderbaren Alpbutter und einen perfekt gereiften Epoisse. Auf dem Weg zum Brotstand entdeckte ich griechische Oliven aus Calamata die meine Freundin so liebte. Auch ab in den Einkaufswagen, die grösste Büchse natürlich. In der Bäckerei kam neben dem weissen knusprigen Baguette (der Grund meines Besuches im Laden) noch eine Portion Wiener Konfekt als Nachtisch in meinen Einkaufswagen. Kurz vor der Kasse sprang als letztes ein Sixpack Pilsner Urquell hinein und das wars. Nur das.

An der Kasse wartete eine mittel grosse Menschenschlange, so dass ich Zeit hatte um die Kosten meines Korbes zusammen zu rechnen. Dies hatte ich von meiner Mutter, einer Buchhalterin, gelernt. Mit schaudern stellte ich fest, dass ich voll in die Falle gelaufen war. Anstelle eines Brotes hatte ich für weit über hundert Schweizer Franken Waren gesammelt. Dies war damals in den 60er-Jahren ein Schweinegeld. Ernüchtert entfernte ich mich wieder von der Kasse, stellte all diese Verführungen wieder zurück in die Gestelle, brachte sie mit der Entschuldigung ich hätte mein Geld zu Hause vergessen an die verschiedenen Verkaufstresen und liess nur mein Brot im Wagen liegen. Ich schwor mir beim Verlassen des Ladens nie mehr diesen, meine Sinne verwirrenden Ort zu Besuchen.

Ich habe meinen Schwur tatsächlich gehalten. Leider muss ich doch immer wieder an diese Geschichte denken. Genau dann, wenn ich Delikatessen kaufe die ich eigentlich nicht brauche. Denn rückfällig werde ich immer mal wieder da es in unserer Stadt zum Glück auch andere verführerische Einkaufsmöglichkeiten gibt.

14 Kommentare

  1. Oh ja, ich liebe den Delicatessa im Globus und gehe öfters hin. Zum Schauen, was es doch alles gibt, aber natürlich kaufe ich auch immer ein paar Leckereien, v.a. Gewürze, Fisch und Fleisch oder die feinen Tartufi – die sind echt unglaublich gut……. LG Carmen

    1. Mir ging es damals nicht um das Geld. Es ging darum, dass ich nur ein Brot wollte und anstatt dessen einen Korb füllte. Perfekte Versuchung und Manipulation der Kunden. Davor habe ich mich geschützt.
      Sonntagsgrüsse, Bernhard

    2. Ja, das habe ich auch so verstanden.
      In der Kleinmarkthalle geht es mir auch so, ich will nur schnell meinen geliebten Orangenpfeffer holen, dabei steigt mir der Geruch von allem möglichen in die Nase und es summiert sich. Das ist dann ein sehr teurer Orangenpfeffer 😉

  2. Oh wir mögen Globus Delicatessa Seeherrschaft 😍 aber um das Budget zu schonen machen wir meist einen grossen Bogen drum herum weil es dort einfach viel zu viele Verlockungen für uns gibt 😋😉

  3. Ich arbeite nun seit 9 Jahren nahe der Sihlpost … Globus ist da auch nicht weit … und ab und an nehm ich die Rolltreppe nach unten 😉 meistens landet dann gefüllte Pasta im Einkaufskorb … und zu Hause wird dann geschlemmt 😃 … war schon länger nicht mehr dort, Du hast mich auf eine Idee gebracht ….haha.
    Lg Britta

  4. Ich kenne Globus erst seit den 90ern und mochte die Frischfischabteilung besonders, da er tatsächlich erst 24 Stunden zuvor aus dem Meer kam, einfach toll für einen Inländer. Das meiste Geld meines Lebens habe ich sicher für Lebensmittel ausgegeben, weil ich Einkaufen oft als Inspiration für weitere Rezepte nutze. Die hat meine Frau früher öfter kritisiert, zumindest bis zum Ergebnis. Da ich keine Lebensmittel wegwerfe hat sie sich damit abgefunden und wahrscheinlich wegen der Leckerniss 😉

  5. Respekt!
    Wenn das mit dem Gedanken an ein finanzielles Budget klappt, funktioniert es ja genauso auch mit dem Gedanken an ein Kalorienbudget. 🙂
    Vielen Dank für diese Motivation.

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