Food Kolumne Nr.71 | Salz

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Als ich zehn Jahre alt war organisierte unsere Lehrerin ein Klassenlager. Wir wohnten eine Woche lang auf einem Bauernhof, durften tags über bei der Arbeit mithelfen und hatten grossen Spass. Für die Abende planten die Lagerleiter Spiele damit die Kinderschar nicht unruhig wurde. An einem davon gab es als Unterhaltung einen Wettkampf der Mädchen gegen die Knaben. Dabei bekam ich die Aufgabe ein Rezept für das Kochen von Tomatenspaghetti vor zu stellen. Da ich zu Hause oft in der Küche meiner Mutter zuschaute viel mir das nicht schwer. Mein Saucenrezept war um vieles besser als dasjenige des Mädchens gegen die ich an zu treten hatte. Doch eine wichtige Kleinigkeit hatte ich vergessen. Die Lehrerin entschied ich bekäme noch eine Minute um das fehlende an zu fügen. Zum grossen Glück gelang es einem Jungen der auch eine Ahnung vom Kochen hatte mir zu zu flüstern: „Salz“.

Einige Jahre später machte ich einen der ersten Kochversuche zusammen mit meinem grösseren Bruder. Unter anderem kochten wir Pasta, die wir nur mit Butter und Käse essen wollten. Sie waren nicht besonders gut. Wir hatten etwas vergessen dem Wasser bei zu geben. Salz!

Im Alter von 20 Jahren machte ich mit meiner damaligen Freundin eine längere Reise durch Frankreich und Spanien. In Sidges, südlich von Barcelona mieteten wir für zwei Wochen eine Wohnung. Wir kauften uns das notwendigste an Esswaren da wir uns Restaurants nicht leisten konnten. Am ersten Abend machte meine Freundin eine Suppe über die wir hungrig herfielen nur um sie sogleich wieder  aus zu spucken. Sie war völlig versalzen, ungeniessbar. Ich nannte sie Supersuppenköchin, lachte sie aus, sagte in den nächsten Tagen dürfe sie weiter üben. Ich machte mich über sie lustig bis wir die Zähne putzten. Doch nicht sie hatte versalzen. Aus der Leitung floss Salzwasser, auch Zähneputzen war nur mit Mineralwasser möglich. Ich habe mich bei ihr entschuldigt.

Im späteren Leben blieb ich weitgehend von zuviel- oder zuwenig Salz verschont. Na ja, kleine Fehler die nicht erwähnenswert sind waren schon dabei. Ich lernte vor allem meinem „Salzfinger“ zu vertrauen. Diesen Ausdruck habe ich wieder einmal von einem tollen Koch. Dieser hatte das Salz in einer Schüssel, die gross genug war um mit der Hand hinein zu tauchen. Er hatte es nach langem Training absolut im Gefühl von einigen wenigen Körnern bis grösseren Prisen die richtige Menge aus dem Topf zu nehmen.

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Im weiteren diente ihm seine leicht gebogene Hand mit der Handfläche nach oben als „Maaslöffel“. Er zeigte mir wie er Salz darauf schüttete um Mengen wie Kaffeelöffel oder Suppenlöffel ab zu messen. Ich habe dies unterdessen auch verinnerlicht und Salze seit Jahren fast ohne viel dabei zu denken weitgehend richtig.

Letzten Sonntag kochte ich zu Hause einen Spargelrisotto. Ein Essen das ich beinahe im Schlaf beherrsche. Nebenbei sprach ich mit Christina über unsere Schwanzwedlerin Yoko. Wir waren beunruhigt denn sie hatte schon in der Nacht Anzeichen von Magenproblemen mit den auch bei Menschen üblichen Anzeichen von Durchfall und Erbrechen. Das mise en place unseres Essens war fertig, ich hatte mit Kochen begonnen als Christina beschloss mit Yoko den Tier-Notfall zu besuchen. Kein Problem, die Pfannen schnell weg von der Hitze, das kann später fertig gekocht werden. Sofort nach ihrer Rückkehr kümmerte ich mich darum. Gab Bouillon und Salz zum Reis und kochte diesen Perfekt auf den Punkt. Die vorgegarten Spargeln, etwas Frischkäse und Parmesan hineingerührt und ab auf die warmen Teller. Der Risotto sah perfekt aus. Doch, oh Schreck, ein Rückschritt in die Jugend, das Essen war versalzen. Vor lauter Hundesorgen hatte ich vor und nach Christinas Notfall–Besuch den Risotto gesalzen. Das war eindeutig einmal zu viel.

12 Kommentare

  1. Hui, es git ja nüüt gruuusigers als Pasta ohni Salz! Aber a pro pos Zutaten: Ich habe es mal geschafft, Freunde zum Racelette einzuladen und als wir so gemütlich zu Tisch sassen, fragte plötzlich jemand: wo sind denn die Kartoffeln? 😳 Die lagen da no im Geschäft. Ich hatte sie schlicht vergessen. Das ist mittlerweile 15 Jahre her, muss ich mir aber heute noch anhören 😂😂😂

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