Foodkolumne Nr.75 | Schwierige Gäste

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„Allen Leuten recht getan ist eine Sache die Niemand kann.“ Dieser Satz stimmt nirgendwo mehr als beim kochen für andere Menschen. Die richtige Wahl der Speisen für Gäste ist um vieles schwieriger als das Kochen an und für sich. Kürzlich sprach ich mit einem Bekannten den ich für den nächsten Tag bei uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Fragte ihn ob es Dinge gebe die er nicht auf dem Teller mag. Nein, meinte er lächelnd, ich esse alles. Kein Problem. Darauf machte ich meinen Standardspruch: „Auch keine Kutteln?“ Worauf er erschrak. „Nein, Kutteln auf keinen Fall, auch keine Krustentiere oder andere Seeungeheuer.“

Ich mag zum Beispiel keine rohen Tomaten, keine Sardellen, bin kein Fan kalter Suppen und mag nicht alle, (besser fast keine ) Innereien. Oh, ohne Liebe gekochtes mag ich auch nicht, nur ist das nicht das Thema. Wie obiges Beispiel zeigt denken die wenigsten Menschen an die Dinge die sie nicht mögen. Ganz einfach weil sie damit nie konfrontiert werden. Auch an Unverträglichkeiten denken sie nie. Einen  Gast hatte ich zum voraus gefragt habe ob ihm ein Gulasch recht sei. Er war glattweg’s begeistert. Beim Apéro in unserer Küche, das Essen war so gut wie bereit, meinte er: „Du weißt sicher dass ich keine Zwiebeln vertrage und hast das hoffentlich berücksichtigt.“ Zu meiner Schande, ich gestehe es, dachte ich „Arschloch, das sagst du mir erst jetzt so kurz vor dem Essen!“ Denn in meiner Küche (vielleicht habt ihr dies schon gemerkt) ist die Zwiebel die Königin. Mein Gulasch besteht fast zu gleich Teilen aus Zwiebeln wie aus Fleisch. An diesem Abend habe ich das Lügen gelernt. „Natürlich, das weiss ich doch. Das habe ich berücksichtigt.“ Er ass mein Gulasch mit Vergnügen. Ich habe nie nachgefragt wie gut er es vertragen hat.

Ganz schlimm ist das Kochen für Menschen mit Alergien, am schlimmsten wenn sie die Gastgeber zuvor nicht informieren. Sie sitzen dann wie Martyrer vor dem mit viel Liebe und Aufwand gekochtem und verströmen Schuld Gefühle. In solchen Momenten möchte ich ausrasten und toben. Doch natürlich habe ich eine Erziehung genossen die solches nicht erlaubt. Früher habe ich sofort etwas anderes Angeboten, mein eigenes Essen erkalten lassen und den guten Gastgeber gespielt. Umso älter ich werde umso gleichgültiger verhalte ich mich gegenüber solchen Menschen. Wer seine Gastgeber nicht rechtzeitig brieft ist selbst Schuld. In meinem Fall sowiso, denn ich Frage frühtzeitig nach Unverträglichkeiten und Vorlieben.

Auch Familienmitglieder sind manchmal schwierig. Der/die eine hat es gerne so, der andere lieber anders. Keine Chance es allen recht zu machen. Deshalb Versuche ich es immer wieder mit neuen Kreationen. Mit Überraschungen. So kann mir niemand sagen ich hätte doch gewusst dass er/sie dieses Gericht nicht mag.

8 Kommentare

  1. Hallo,

    Innerhalb meiner kleinen Familie ist das Koxhen schon eine Herausforderung. Mein Mann (Bodybuilder) isst nur sein Diät- Essen. Also täglich 500g Putenfleisch mit trockenem Naturreis.
    Sohnemann hat unzählige Allergien und ist sowieso ein sehr wählerischer Esser. Und ich mag nicht jeden Tag Putenfleisch oder das eintönige Essen meines Sohnes, welches dank der Allergien kaum Gemüse enthält.
    Dementsprechend koche ich fast täglich 3 verschiedene Gerichte.

    Wenn wir dann noch Besuch haben,… Frag besser nicht 🙂

    Liebe Grüße

    Ich finde es übrigens total klasse, dass du nach Unverträglichkeiten fragst. Das würde ich nie von Gastgebern verlangen und habe dementsprechend für meinen Sohn immer etwas dabei, was er dann notfalls essen kann. Werde ich vorher gefragt, freue ich mich natürlich auch.

  2. Ja sag mal, sind wir vielleicht verwandt? *lach* Mein Onkel, der is(s)t genauso: Ich esse keine Zwiebeln, die vertrage ich nicht. Hmpf, ok, und nun? Auch mein Gulasch war fertig. Ich hab es allerdings noch eine Spur übertrieben: Flugs einen kleinen Pott auf den Herd gestellt, Gulasch umgefüllt (auch bei mir waren die Zwiebeln auf das Herrlichste zerkocht!) und gesagt „Bitteschön Onkel *piep*, extra für Dich – ohne Zwiebeln.“
    Nun, was soll ich sagen? Er hat es wunderbar vertragen und er hat den ganzen Pott leergeschlabbert … war ja nur die Menge für ca. 6 Personen *kicher*.
    Um aber mal ernst zu werden: Wer brüstet sich denn heute nicht mit einer (erfundenen) Allergie/Unverträglichkeit, nur um sich wichtig zu machen oder gehört zu werden, außer ein paar wenigen, (wie wir), die den Kopf darüber schütteln?
    Mein (alter) Veganismus war nur dann ein Problem, wenn ich gezwungen wurde, Essen zu gehen – denn da finde ich, gehört es heute zum guten Ton, dass auch ein 4-Sterne-Haus etwas anzubieten hat – vor allem, wenn man es vorher ankündigt und auch noch dafür bezahlt! (bezieht sich auf Firmenessen oder so nette Veranstaltungen, wenn sich mal wieder jemand ins Unglück der Ehe stürzt oder so 😉 😀 ). War ich unterwegs, habe ich immer sofort auf vegetarisch umgeschaltet und wollte meinen Freunden nie zur Last fallen. Außerdem war es eine gute Ausrede, endlich mal wieder was „richtiges“ zu essen *ggg*.
    Nun, wir waren in der Familie bei Feiern immer so um die 25 Leute. Mit meiner Mutter hab ich alleine in der Küche gestanden und gebrutzelt, gewerkelt, gekocht, geschmort, sautiert … Ich erinnere mich gut an die Zeiten – ich war 16 … oder so um den Dreh – da haben wir noch alles gekocht, ohne groß auf Zutatenverträglichkeiten schauen zu müssen.
    Die letzten Geburtstage mit ihr waren dann aber nur noch ein Eiertanz! Der eine isst dies nicht, der andere das nicht – grauenvoll! Und dass, obwohl es jahrzehntelang keine Beschwerden gab. (Oha, leider stimmt das mit den Jahrzehnten mittlerweile sogar … *örks*)
    Blöde Moderne, wo sich jeder erlauben darf zu behaupten, dass er was nicht mag *pffft* *lol*
    Liebe Grüße, Davina

  3. Wie wahr! Da plant man eine Geburtstagsfeier mit 15 Leuten und braucht ein günstiges Gericht, das jeder essen kann – Chili dachte ich prompt. Damit durfte die Gluten-Allergikerin und der Nuss-Unverträgliche schon mal zufrieden sein, Kräuterbutter selbstgemacht und Fladenbrot für die Vegetarierin. Konzept steht…..nicht! Ich mag aber nicht scharf, ich mag keine Zwiebeln, (gluten Allergikerin) ich verzichte auf Fleisch, wann immer ich kann. Blieben im Endeffekt von 15 nur 10, die es essen können wie ich es immer koche -.-

  4. Recht so!! es ist wirklich eine Katastrophe, dazu kommen noch, aber du weißt ja im Moment ess ich nur grün, oder weiß, oder vegan, oder was auch immer. 😂😂
    Leider ist es bei mir auch so, je länger ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir ein, was ich nicht gerne esse. Aber Käse, ist meine Standardantwort.

  5. Kann ich sehr gut nachvollziehen 😊 mein Mann ist bei mir der anspruchsvollste Esser. Auch schwierig. Zu jedem Pastagericht schwebt ihm z.B. eine ganz bestimmte Sorte Nudeln vor. Alle anderen gehen gar nicht. Mhm. Bei mir ist ja Nudel fast Nudel. Naja. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und künftig unkomplizierte Gäste, Anja

  6. Tatsächlich schwierig. Ich habe zwar viele Menschen im Bekanntenkreis die aus Unvertäglichkeitsgründen einiges nicht essen können. Da ich aber schon so oft für sie gekocht habe, merke ich es mir glücklicherweise. Wenn doch mal was dabei ist, sind sie aber völlig unkompliziert und essen drumherum und sind damit total zufrieden.

  7. Wahre Worte! Wer heute noch für andere kocht, ist ein Held. Irgendwie nimmt dieses „ich mag/vertrage dieses oder jenes nicht“ überhand. Am liebsten koche ich nur für mich alleine, da kann ich schalten und walten, wie ich will. Und merke plötzlich wieder, dass ich ja doch gar nicht so ungerne koche. 😉

    LG Anna

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