FOOD KOLUMNE Nr. 76 | FERIENGEFÜHLE

160716

SA_160716

In den Ferien munden manchmal die einfachsten Dinge grossartig. Speziell am Mittelmeer schmeckt vieles einfach besser als bei uns im deutschsprachigen Raum. Bei den Früchten und Gemüsen wundert es nicht. Bessere Reife beim pflücken dank kürzeren Transportwegen ist das Zauberwort. Damit fällt auch die zwischenzeitliche Lagerung im Kühlhaus weg und voilà, reifer und eben besser. Der Biss in Tomaten, Pfirsiche oder Aprikosen wird zum Kampf mit dem zwischen den Fingern hervorquellenden, aromatischen Saft. Einfach wunderbar und unerreicht. Melonen die ihre Aromen verströmen, von denen man nie genug bekommt. Salami von aussen knorrig und unscheinbar grau. Innen weich, kräftig im Geschmack und zusammen mit frischen Oliven vom Markt ein Traum. Dazu ein Glas Wein aus der Gegend, bei einem Tagesausflug entdeckt. Billig und doch passen zur Gegend und der Stimmung. Man meint die Sonne darin zu spüren, ach warum gibt es diese Köstlichkeiten nicht zu Hause.

Am Tag vor der Abreise kaufe ich mir von den leckeren Dingen immer noch einige Taschen voll. Da bin ich sicher keine Ausnahme. Oliven, Früchte, Gemüse, Käse, Würste, Wein, ein Schnäpschen und Öl müssen mit. Meist macht mich der Gedanke an die Zollinsel Schweiz traurig. Nur eine Flasche hochprozentiges, nur ca. 6 Flaschen Rebensaft sind pro Person erlaubt. Das gute soll draussen bleiben, zu günstig für die Schweiz?

Zu Hause geht’s dann mit den kulinarischen Souvenirs ab in die Küche. Die Melone, Aprikosen und Pfirsiche haben leider durch den Transport leichte Druckstellen. Vielleicht morgen faulig? Der Käse hat geschwitzt, er sieht müde aus. Das herrliche Brot leicht angetrocknet. Trotzdem machen wir einige Teller für unsere Erwachsenen Kinder, die uns gleich besuchen werden bereit. Stellen das Brot, geschnittenen Salami, Oliven und Tomaten auf den Tisch. Ich öffne noch eine Flasche der mitgebrachten Rotweine voller stolz. Unsere Trouvaille.

Fröhlich setzen wir uns mit den Besuchern an den Tisch. Erzählen begeistert von den wunderbaren Nahrungsmitteln. Stossen mit diesem herrlichen Wein an. Erzählen dass wir auch für sie Wein, Käse und Wurst mitgebracht haben. Trinken einen ersten Schluck. Erwartungsvoll, auf den Beifall der Jungs wartend. Doch niemand strahlt. Da ist keine Begeisterung. Um ehrlich zu sein, der Wein riecht anders. Die Salami scheint langweiliger. Das Brot ist nicht frischer geworden. Irgend etwas hat sich verändert. Es schmeckt wie immer hier im Norden. Irgend etwas fehlt. Die Sonne oder das Meer, die salzige Luft, oder einfach die herrliche Ferienstimmung? Wo ist es geblieben, dieses zauberhafte Gefühl das aus einem billig Wein und einfachem Essen ein kostbares Erlebnis macht?

7 Kommentare

  1. Ach, das kenn ich. Der Wein der auf Korsika so wunderbar leicht und besonders geschmeckt hat, war zu Hause nur noch bitter. Zum Geschmack kommt das Meer hinzu, die Luft und die Urlaubsleichtigkeit. Den Wind und das Meer kann man leider nicht einpacken.grüsse kat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s