FOOD KOLUMNE NR. 77 | ZEITUNGSNOTIZ

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Eine winzige Randnotiz in meiner Tageszeitung hat mich gestern eingefangen. „Die Schweizer haben 2015 über 800 Millionen Franken für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben.“ Dieses Wort ist für mich neu, doch zum guten Glück selbst erklärend. Als Durchschnitts Schweizer müsste ich dafür also auch mindestens hundert Franken ausgegeben haben. Das stimmt nicht ganz, denn unsere sind
einiges teurer. Nahrungsergänzend sind für mich die Delikatessen wie Trüffel, Safran, Entenleber, Steinpilze, Champagner etc. also die Zutaten die für ein gesundes Essen nicht unbedingt notwendig  – aber eben überaus lecker sind. Als ich im Kopf diesen Betrag kurz überschlagen habe schien mir der publizierte Betrag sehr niedrig, viel zu niedrig. Da war irgend etwas falsch, die Rechnung konnte nicht stimmen.

Wie meist in solchen Fällen nahm ich die Hilfe von Google in Anspruch um dem Fehler auf die Spur zu kommen. Tausende Artikel und Webseiten belehrten mich und haben meine Wissenslücke geschlossen. Es handelt sich scheinbar um Präparate wie Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und andere Substanzen die im Handel erhältlich sind und tatsächlich von Herr und Frau Schweizer konsumiert werden. Oha, interessant, vielleicht fehlt mir etwas. Wenn alle andern diese Produkte einnehmen dann will ich doch auch etwas davon.

Bei einem kürzlich Arztbesuch liess ich mich altershalber wieder einmal durchchecken. Nach Aussage meines Doktors war bei mir alles im grünen Bereich. Dies wollte ich gestern natürlich genauer Wissen, habe ihn angerufen und mit der Zeitungsmeldung konfrontiert. Doch er blieb bei seiner Meinung. „Lieber Bernhard, ich kann dir nichts verschreiben das Du nicht brauchst.“ Er wollte nicht genauer darauf eingehen, er habe Patienten im Wartesaal und hängte auf.

Also sofort wieder die Suchmaschine befragt. Es war nicht einfach die Lösung aufzufinden. Denn die meisten Seiten die in den Suchmaschinen ganz vorne sind machen Werbung für  Nahrungsergänzungsmittel! Ich gab nicht auf und fand schlussendlich diesen, für mich brauchbaren Satz:  „Elementar für die Gesundheit Ihres Körpers ist eine ausgewogene Ernährung, doch ist eine adäquate Versorgung mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zusehends schwieriger geworden – aufgrund häufig fehlender Zeit für die Zubereitung und entsprechender Lebensmittel im Handel.“

Hoffentlich habe ich alles richtig verstanden, denn ich kam zu folgendem Schluss. Wer viel arbeitet oder nicht gerne kocht und deshalb industriell gefertigte Menüs reinwürgt braucht anschliessend Nahrungsergänzungsmittel die Ihm/Ihr die Krankenkasse finanziert. Ein armer Kerl wie ich, der mit seiner kärglichen Rente zurecht kommen muss, stundenlang in der Küche steht bekommt hingegen nichts. Der langen Rede kurzer Sinn – ich muss auch in Zukunft meine schon zu Beginn erwähnten Ergänzungen wie Trüffel, Safran, Entenleber, Steinpilze, Champagner und ähnliches selber berappen. Die Krankenkasse will davon nicht wissen. Schade.

11 Kommentare

  1. Ich halte tatsächlich auch nichts von Zusätzen, kenne aber auch jemanden, der seine Küche komplett damit voll stehen hat und bis heute behauptet er sei deswegen so jung geblieben. Meine Meinung dazu: Schwachsinn.
    Nahrungszusätze sollten ausschließlich für die wirklich kranken sein. Meine Tante zum Beispiel hat mit ihren 70 Jahren langsam Probleme mit dem Vitamin B12 Haushalt und hat dies nun verschrieben bekommen.

    LG,Stella

  2. Besser so! Lieber sein Geld für gute und natürliche Sachen ausgeben, als für dich auch der Chemiefabrik.
    Liebe Grüße Antje

  3. schön wie sich die Safranfäden da so über das Gelbe schlängeln. Sieht ein bisschen so aus, wie auf den Bildchen in meinem Aufklärungsschulbuch von 1968 😉

    1. Das glaube ich dir aufs Wort und bin auch fast neidisch nicht auch davon gekostet haben zu können.

  4. Ich finde es ja immer erstaunlich – Jahr um Jahr um Jahr -, dass dieses Zeug noch gekauft wird. Also nicht die Entenleber, wir verstehen uns!
    Es ist ja nun wirklich schon ewig her, seit die ersten Studien feststellten, dass Vitamine in reiner Form, synthetisiert eher schaden als nützen und die natürlichen Vitamine dem Körper im Zusammenspiel mit sekundären Pflanzenstoffen gut tun. Die gibt es besonders reichlich in frischen (nicht um die halbe Welt gekarrtem), biologisch angebauten und somit natürlich und nicht synthetisch gedüngtem Obst und Gemüse (und Entenleber). Vielleicht sieht es mit anderen Stoffen nicht anders aus. Zu ärgerlich für die Industrie.

    Die andere Sache ist: kochen und essen scheint für einen nicht gerade kleinen Teil der Bevölkerung notwendiges Übel zu sein, was man am besten schnell hinter sich bringt. Dafür hat man dann statistisch gesehen mehr Stunden pro Tag für die Glotze.

    Interessant, aber ich versteh’s nicht.

    LG Oli

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