FOODKOLUMNE NR: 79 | DAS RAUMDESIGN KOCHT MIT

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Essen in Gruppen gleichgesinnter hat einen grossen Vorteil: Die Weine. Ich liebe es zu jedem Gang einen anderen zu trinken. Optimale Kombinationen zu suchen die sich ergänzen. Das sind Genüsse für die ich gerne Aufwand betreibe. Früher habe ich solche Essen oft im Privaten organisiert. Wir haben aufwändig gekocht und die bestmöglichen Weine dazu bereitgestellt. Doch in den letzten Jahren wurde mir der Aufwand zu gross. Eine neue Lösung musste her.

Nachdem ich mein Problem erkannte begann ich eine Gruppe gleichgesinnter zu suchen um einmal monatlich bei meinem Lieblingskoch zu Essen. Einerseits wollte ich ihm regelmässig Gäste zuführen. Andererseits liess sich damit mein Wunsch nach Wine & Dine erfüllen. Es dauerte nicht lange bis eine erste Gruppe von 5 Leuten zusammen war. Diese brachten weitere interessierte mit doch viele davon sprangen nach anfänglicher Begeisterung wieder ab. Neue kamen hinzu, andere liessen nicht’s mehr von sich hören. Ein auf und ab das sich so langsam auf 16 Teilnehmer eingependelt hat von denen meistens zwischen 8 –14 erscheinen.

Wir treffen uns immer an einem Freitag gegen Mittag, nehmen einen ungezwungenen Apéro, setzen uns eine halbe Stunde später an den Tisch und geniessen 4 – 5 Gänge in einer aufgestellten Atmosphäre mit Diskussionen über die gereichten Speisen, das Kochen, die Weine, Gott und die Welt. Ein unglaublich friedlicher Anlass mit interessanten und immer aufgestellten Menschen. Dazu natürlich die grossartige Küche von Antonio Colaianni dessen sinnlicher Küche ich einfach verfallen bin.

Als ich den Anlass ins Leben gerufen habe war Antonios Arbeitstätte ein modern gestaltetes Lokal. Perfekte Bedienung, gestylte Möbel, modernes designer Besteck und Porzellan. Hoch benotet in allen Restaurantführern sassen wir dort etwas steif bei unseren Essen. Doch etwas war falsch, wir merkten dies erst im Nachhinein. Die Einrichtung war kalt.

Seine neue Wirkungstätte ist ein angenehmes Lokal. Viel Raum, schön eingerichtet doch nichts das zu erwähnen wäre ausser unserem Verhalten das plötzlich nicht mehr reserviert und steif ist. Unsere Zusammenkünfte sind lockerer und fröhlicher geworden. Wir lachen viel mehr und sind uns näher gekommen. Die Veränderung kann nur durch die ungezwungenere Umgebung geschehen sein. Wir fühlen uns viel wohler in dieser weniger perfekten Umgebung doch wir wissen nicht warum. Wer neu dazu kommt will neuerdings bleiben. Es ist zu einer Erfolgsstory geworden. Der gleiche Koch in anderen Räumlichkeiten und alles schmeckt noch besser. Wahnsinn. Der Einfluss des Raums auf die Stimmung und die Wahrnehmung des Essens war mir noch nie so bewusst.

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