FOODKOLUMNE NR. 83| HÖLLENSCHÄRFE & WUNDERTASSE

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In Mexico wurde ich vor Jahren von Kunden zu einem erinnerungswürdigen Essen eingeladen. Zum Aperitif wurden diverse Kleinigkeiten, in der Art spanischer Tapas auf den Tisch gestellt. Unter anderem kleine grüne Chilis. Die Mexicaner strahlten das Tellerchen an und ermunterten mich eine davon zu essen. Mir war klar dass diese so hübsch anzuschauenden Gemüse von der teuflischen Sorte waren. Nämlich eine von denen mit dem hohen Capsaicin Gehalt welches die Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt und so die Schärfeempfindung auslöst. Ich nahm dankend eine in die Hand und tat als ob ich in sie reingebissen hätte, versteckte die Chili in meiner Faust und machte eine Kaubewegung. Sechs Mexikaner Augen starrten mich erwartungsvoll an, warteten auf eine Reaktion meinerseits. Ich lächelte sie an und zeigte natürlich keine der von Ihnen erwarteten Reaktionen auf Schärfe.

Dann zeigte ich ihnen lachend dass ich sie hereingelegt hatte. Machte nun doch einen herzhaften Biss und …. die Dinger waren so scharf dass meine Tränen richtig aus den Augen spritzten. Man bot mir sofort Salz das ich von meiner Hand lecken sollte was den Schmerz tatsächlich umgehend linderte. Die Mexen freuten sich dass sie ihren Spass mit mir hatten. Nur einer von ihnen ass dann die Teufelsdinger auf. Auch den beiden andern waren sie viel zu scharf.

Als nächstes erhielt ich eine Tasse eines heissen hochkonzentrierten Fleischsaft’s. Ein unglaublich kräftiger, würziger Geschmack wie ich ihn weder zuvor noch je danach serviert bekam. In dieser Tasse war etwas unglaubliches und natürlich wollte ich wissen wie dies hergestellt würde. Es sei der Saft von Lamm, in Lehm eingepackt und in einer Grube während Stunden in Holzkohle langsam gegart. Ich stellte es mir ähnlich einer Salzkruste vor. Dann würde ein kleiner Hahnen in das Lehm gedrückt und der Fleischsaft Tropfe heraus. Das Fleisch würde später separat serviert.

Über die Jahrzehnte dachte ich oft an diese Wundertasse, suchte auch mal das Rezept im Internet. Leider fand ich nur ähnliches, das sogenannte „Barbacoa“ Lamm. Am vergangenen Samstag Abend besuchten wir einen Anlass mit Flamenco, Tapas, Paella und Vino. Im Gespräch mit Armando einem Mexikaner verglichen wir die Spanische und Mexikanische Küche. Dabei musste ich natürlich von meinem Lammsaucentässchen erzählen. “Ahh, ich kenne das, ist mit die Agaveblätter weißt du. Muss man einschlage, muss überlege, ja muss schaue wo bekomme die Agave, denke kann ich dir mache wenn du willst.”

Nach über 40 Jahren bin ich nahe am Ziel. Freude.

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