FOODBLOG: IN EIGENER SACHE NR.19

060916Druck

Sobald eine Idee zu einem Text durch meinen Kopf flattert muss er auch in die Tastatur. Egal ob während meiner Arbeit, am frühen Morgen oder nach Mitternacht. Nur so kann ich meine Gedanken festhalten und umsetzen. Ich habe es schon mit Notizen versucht, doch das funktioniert leider nicht. Es fehlen mir meist einige Details, es fehlt der Zusammenhalt und ich Ende mit einer unfertigen und unbefriedigenden Geschichte.

Dabei sind die ersten Gedanken nie ein Ganzes, sie sind immer nur eine flüchtige Grundlage auf der ich Aufbauen kann. Sobald ich mit schreiben beginne fügt sich der Inhalt wie von selbst zu einem ganzen. Er plätschert dahin wie Wasser aus einer Leitung. Sobald einmal angestellt füllt er meine Seite.

Oft weiss ich nicht wohin der erste Gedanke mich führt. Ich spüre nur dass er funktionieren wird, dass er genügend Substanz hat um damit zu beginnen. Wort um Wort entsteht wie von selbst, ich muss nur die Tastatur bedienen. Es endet oftmals mit einem Post dessen Inhalt mich selbst erstaunt da ich ihn nicht vorgeplant, nicht im Detail durchdacht geschrieben habe.

Das Gegenteil sind die Rezepte für unsere Mittagessen. Wie Betriebsanleitungen versuche ich jeden Punkt des Arbeitsablaufs durch zu gehen. Eine sehr bewusste Kopfarbeit die klare Regeln hat, die exakt und für andere verständlich nachvollziehbar sein muss. Fantasie ist dafür nicht notwendig, Rezepte sind bei mir Bedienungsanleitungen. Einige wenige Blogger und Köche haben die Gabe aus ihren Rezepten Poesie zu machen, doch leider gehöre ich nicht zu diesen Auserwählten.  Meist schreibe ich Rezepte nach dem Essen, also eine halbe Stunde nach dem kochen. Dann ist alles noch präsent, nötigenfalls kann ich sogar noch Verbesserungen einbringen.

Rezepte zu schreiben ist für mich mit dem Pflichtprogramm im Eiskunstlaufen zu vergleichen. Die Kolumnen sind hingegen die Kür. Ich darf Pirouetten drehen und Mehrfachsprünge machen soviel ich will. Niemand muss sie nachkochen und sich auf die Angaben verlassen können.

5 Kommentare

  1. Es ist mir schon passiert, über etwas schreiben zu wollen, um danach erstaunt festzustellen, dass ich einen ganz anderen Text bekommen habe. Wie zuletzt bei den Diät-Geschichten. Ursprünglich wollte ich nur etwas über Zucker in Lebensmitteln schreiben, am Ende war es ein Text über meine Erfahrungen mit Diäten.

    Bei Rezepten geht es sonst auch nur unmittelbar nach dem Essen.

  2. Was das Schreiben angeht, ticken wir wohl ähnlich. Notizen funktionieren bei mir nur, wenn ich mich noch nicht so sehr vertieft habe, was selten der Fall ist. Ich habe es schon mit einem Diktiergerät versucht. Das war gruselig. Ich finde meine Stimme auf Band fürchterlich, obwohl mir viele sagen, wie toll und professionell sie meine AB-Ansage finden. Da machen sich wahrscheinlich acht Jahre im Callcenter bemerkbar. Aber erst den Text sprechen, ihn danach abzutippen und zu redigieren gefällt mir nicht.

  3. Das finde ich witzig, denn ich erstelle ein Konzept für einen Artikel und bei Rezepten kritzel ich vorher, währendessen und nachher auf allem rum, um es zum Schluss in eine Form zu gießen. Schreibe ich nichts in der Küche auf, ist die Idee meist verloren und es hat einfach nur gut geschmeckt ohne Chance einer Wiederholung 😀

  4. Schöner Text. Gefällt mir gut. Besonders, weil ich mich in den Zeilen wiedergefunden habe. Nur, dass ich die Rezepte noch während des Kochens mit schreibe.

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