FOODKOLUMNE NR. 89 | KNIGGEUNKONFORM

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Essen besteht nicht nur aus Nahrungsmitteln. Es beginnt mit dem Raum in dem ich mich wohlfühlen möchte. Der Stuhl soll angenehm, möglichst mit Armlehnen sein. Ich mag einen schön gedeckten Tisch, gute Gläser am liebsten die von Riedel, allenfalls auch die von Spiegelau. Stoffservietten sind mir lieber als Papierige und laute Musik (ausser ich esse alleine) ist mir ein Gräuel. Leicht gedimmtes Licht und Kerzen sind ok, doch ich möchte genügend Licht damit ich die Speisen auf den Tellern noch gut sehen kann. Gutes Essen und dazu passende Getränke sind eine Selbstverständlichkeit.

All diese Details sind mit der richtigen Wahl des Restaurants lösbar. Um Endtäuschungen zu vermeiden besuche ich kaum noch neue Lokale. Ich habe für die meisten meiner Gaumenwünsche eine Gaststätte die meinen Wünschen entspricht.

Das Tüpfchen auf dem “i” sind die Mitesser. Mit der oder den richtigen Menschen am Tisch zu sitzen macht jedes Essen besser. Eine gute spannende oder lustige Unterhaltung bringts. Ob die Essen geschäftlich, familiär, mit Partner oder Freunden sind ist unwichtig. Wichtig ist neben dem Schwatzen sich auch Zeit für den Genuss von Essen und Trinken zu nehmen und damit der Küche Respekt entgegen zu bringen.

Am einfachsten lassen sich die Gespräche bei zwei Personen steuern. Doch sobald mehrere Personen am Tisch sitzen wird dies schwieriger. In unserem Freundeskreis tragen wir je länger je mehr den unterschiedlichen Themenwelten der Damen und Männer Rechnung und Verhalten uns nicht mehr Kniggekonform. Sassen früher die weiblichen Gäste immer rechts oder Gegenüber ihrer Partner setzen wir unterdessen gleichgeschlechtliche einander Gegenüber. Bei mehreren Paaren setzen wir die Frauen und die Männer zusammen. Wo früher oftmals gleichzeitig verschiedene Gespräche über’s Kreuz liefen haben wir jetzt getrennte Gespräche die sich nicht mehr stören. Trotzdem wird das Gespräch des ganzen Tisches untereinander nicht verhindert. Im Gegenteil.

Wenn man sich wünscht dass die Tischrunde sitzen bliebe, dass es noch Stunden weitergehe, wenn keiner der erste sein will der Aufsteht und sich verabschiedet, dann hat alles gestimmt. Nicht nur das Essen, sondern auch die Tischrunde und ihre Gespräche.

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Ein Kommentar

  1. Bin eigentlich einverstanden mit fast allem was in diesem Beitrag geschrieben wird. Nur fragen sich vermutlich viele, will oder kann ich mir leisten auf diesem Niveau zu dinnieren? Ich persönlich bin kritisch geworden nach dem lesen von vielen Gastroberichten und eigenen Erfahrungen wo auch preisgekrönte Köche mit feinsten Restaurantstylings nicht nur mit Komplimenten eingedeckt werden. Ich kann gutes Design sehr gut wahrnehmen, denke kann auch frisches, gutes Essen sehr wohl definieren. Habe trotzdem oft Mühe was mir schlussendlich auf der Rechnung präsentiert wird – halt die Klappe lieber Gast. Ihnen hat ja niemand gesagt, Sie müssen bei uns zum Essen kommen. Diese Argumente gehören eben auch sehr oft zum hochgelobte Niveau von vielen Gourmetrestaurants. Ich bin nicht nur in Bauernstuben oder im McDonald Gast, darum erlaube ich mir diese kurzen Zeilen zum Thema Gastronomie in der Foodkolumne 89.
    Wer mal in Valencia zu Besuch ist, empfehle ich das Restaurant Riff. Top Qualität frisch vom Markt, schlichtes, modernes Design, aussergewöhnlich freundliche Beratung und Bedienung – und Preise die hochgelobte Topgastronomen in der Schweiz selten bieten können. In Valencia würde ich für die gebotenen Dienstleistungen gerne auch etwas mehr Geld ausgeben.
    Lieben Gruss. Herbi.

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